Ein Reihenhaus mit Garten oder eine 200 Quadratmeter Altbauwohnung für zwei Personen: Braucht man das? Will man das? Nicht zuletzt auch wegen steigender Mieten. In der Ab 21 sprechen wir über modernes Wohnen und unsere Bedürfnisse.

Wer beim Gedanken an eine durchschnittliche WG schon Beklemmungen bekommt, wird mit dem Kanthaus vorerst überfordert sein: Bis zu fünfzehn Menschen leben in diesem Wohnprojekt in Wurzen bei Leipzig zusammen und teilen so viel wie möglich. Es gibt einen Gemeinschaftskleiderschrank, einen solidarisch genutzten Kühlschrank mit geretteten Lebensmitteln und auch gemeinsame Betten.

"Wir teilen sehr viel miteinander, aber bei uns steht im Vordergrund, dass auf die Bedürfnisse der anderen Rücksicht genommen wird."
Matthias Larisch, wohnt im Kanthaus

Doch trotz eines großen Gemeinschaftsgedankens könne sich jede Person so viel einbringen, wie sie möchte, sagt Matthias Larisch. Er wohnt seit der Gründung 2017 im Kanthaus und erklärt, dass das Wohnkonzept den Leuten hauptsächlich bei der Umsetzung sozialer und ökologischer Projekte helfen soll. Wie so ein Zusammenleben ohne Konflikte funktionieren soll, erzählt uns Matthias im Podcast!

Trend: Menschen wollen überwiegend in der Stadt wohnen

Wir wohnen größtenteils noch so, wie es sich nach dem Zweiten Weltkrieg durchgesetzt hat: in kleineren Wohnungen mit der Familie oder der Partnerin und dem Partner – Küche, Bad, Wohnzimmer und Schlafzimmer. Das liege hauptsächlich an Baukonzepten der Kommunen, die selten von diesem Leitbild abweichen, auch aus wirtschaftlichen Gründen, erklärt Wohnsoziologin Christine Hannemann.

"Die Nutzungskonflikte werden sich immer weiter zuspitzen. Denn der Kampf um den städtischen Wohnraum verschärft sich.“
Christine Hannemann, Wohnsoziologin

Unsere Lebenswelt habe sich nicht zuletzt durch Corona sehr verändert, deshalb müsse über andere Wohnkonzepte nachgedacht werden. Gerade weil immer mehr Menschen in die Stadt ziehen wollen und der Wohnraum zum Beispiel in Hamburg, Berlin und München knapp sei.

Das kleinbürgerliche Wohnmodell könne deshalb nicht mehr der Standard sein: "Wohnformen, die individualisiert sind, aber trotzdem eine Gemeinschaftlichkeit ermöglichen, haben eine größere Zukunftsfähigkeit."

Allein wohnen und gemeinsam leben in Leonberg

Als sie eine Tochter bekommen, können Karin und ihr Mann sich nicht vorstellen, in eine klassische Dreizimmerwohnung zu ziehen. Viel zu bereichernd empfinden sie ihr WG-Leben. Nun wohnen sie im Hoffnungshaus Leonberg in Baden-Württemberg – einem Wohnprojekt, in dem sie gemeinsam mit geflüchteten Menschen Tür an Tür wohnen.

"Das tolle am Hoffnungshaus ist, dass wir Raum haben zum Lernen und den Alltag teilen."
Karin Link, wohnt im Hoffnungshaus Leonberg

Jede Partei hat eine eigene Wohnung, sie leben in einem Mehrfamilienhaus, teilen sich aber Gemeinschaftsräume und einen Garten. Die Kinder können gemeinsam spielen und die Erwachsenen sich gegenseitig im Alltag helfen. Das Hoffnungshaus bietet zum Beispiel auch Sprachkurse an. Ein anderes Wohnen kann Karin sich kaum vorstellen: "Man hört nicht auf zu lernen und es wird nie langweilig."

Wissenswertes zum Wohnen in Deutschland:

  • Es gibt knapp 42 Millionen Haushalte und in fast 18 Millionen lebt jeweils nur eine
    Person.
  • Über die Hälfte der Haushalte hat 2018 ihre Wohnung oder ein Haus
    gemietet, weniger besitzen Eigentum.
  • Im Jahr 2020 leben fast fünf Millionen Menschen in einer
    Wohngemeinschaft.
  • Durchschnittlich hat jeder Mensch 46,7 Quadratmeter Wohnfläche.
  • Die höchsten Mietpreise müssen wir in München mit fast 18 Euro pro
    Quadratmeter zahlen, die Niedrigsten im sächsischen
    Elsterberg mit vier Euro (Quelle: Statista).