Henry Frömmichen wollte Priester werden – nach einem Selfie mit "Prince" Alex ist es damit aus. Tim Lahr ist queerer Pfarrer. Seine Sichtbarkeit in Social Media sei für viele eine Hilfe.

Henry Frömmichen gibt Wohnung, Job und seine Beziehung auf, um katholischer Priester zu werden und wird in das Priesterseminar München aufgenommen. Ihm ist klar, dass Priester keine Beziehung haben dürfen, dass sie zölibatär und ohne sexuelle Kontakte leben müssen. Dazu ist er bereit.

Kurz darauf ist Henry Frömmichen in der Stadt unterwegs, trifft Alex von Prince Charming, spricht mit ihm und postet ein Selfie der Begegnung.

Abschied vom Traumjob

Henry Frömmichen steht zu seiner Homosexualität und sagt: "Ich wusste, dass es Schwierigkeiten geben könnte." Eine Woche später ist es aus mit seinem Traumjob. Er fliegt aus dem Seminar.

"Ich hätte mir einen offenen und gesunden Umgang damit gewünscht."
Henry Frömmichen wollte eigentlich Priester werden
Henry Frömmichen, wollte Priester werden, musste das katholische Priesterseminar München allerdings verlassen
© Picslocation Ulm
Henry Frömmichen, wollte Priester werden, musste das katholische Priesterseminar München allerdings verlassen

Das hat sich Henry Frömmichen anders vorgestellt. Er hätte sich seitens der Kirche eher diese Reaktion gewünscht: "Hey, der macht ein Bild mit dem Alex. Der steht zu seiner Community. Kirche kann auch cool sein und nicht so verbiedert."

Geoutet hatte sich Henry zuvor beim Priester in seiner Heimatgemeinde. Doch bevor er in das Priesterseminar aufgenommen wurde, hatte ihn niemand gefragt, ob er schwul ist. Bei der Aufnahme hätte er aber gesagt, dass er sich seiner Sexualität bewusst ist, und ging davon aus, dass sein Gegenüber diese Aussage eindeutig verstanden hätte.

Als Pfarrer offen queer sein

Tim Lahrs Gottesdienste sind ganz eindeutig queer. Trotzdem sagt er: "Erst einmal ist es ein Gottesdienst". Der evangelische Pfarrer lebt und arbeitet in Köln. Er verändert das Ritual des Gottesdiensts mit Elementen aus der Popkultur und mit einem queeren Blick auf biblische Texte. "Oft kommen auch Eltern von queeren Menschen", sagt Tim. Eltern ließen sich eben eher in die Kirche als auf eine Party mitnehmen.

Tim Lahr, queerer Pfarrer aus Köln
© Deutschlandfunk Nova
Tim Lahr, queerer Pfarrer aus Köln
"Bei Instagram merke ich, dass Köln nicht der Nabel der Welt ist."
Tim Lahr, queerer Pfarrer über seine Social-Media-Kommunikation

Auf Instagram kontaktieren ihn Jugendliche und junge Erwachsene aus ganz Deutschland. Er bekommt dort viele Nachrichten und antwortet darauf. Er ist überzeugt, dass seine Sichtbarkeit dort als queerer Pfarrer schon eine Hilfe ist. Ihm selbst hat der Mailkontakt zu einem schwulen Pfarrer geholfen, seinen Weg in den Beruf zu finden.

Kommunikation als Aufgabe

Eigentlich sei die evangelische Kirche heute schon recht offen. Tim weist darauf hin, dass Pfarrer*innen heiraten und Kinder haben, dass Frauen alle Ämter ausüben dürfen und Homosexualität in der evangelischen Kirche keine Sünde ist.

Sein Ziel ist es, die evangelische Kirche attraktiver zu machen – besonders für die Generation zwischen 20 und 35 Jahren. Das bedeute auch, dieser Altersgruppe in der Kirche mehr organisatorische Verantwortung und eine bessere finanzielle Ausstattung mitzugeben.

"Die evangelische Kirche macht viele gute Dinge. Wir kommunizieren das sehr schlecht."
Tim Lahr, queerer Pfarrer, sieht noch Kommunikationspotential

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