Der Islam übt eine unwiderstehliche Faszination aus. Zum Beispiel auf den Schriftsteller Christoph Peters. Einfach sei diese Religion, ihre Rituale strukturieren den Alltag, gäben Halt in einer sonst so chaotischen Welt. Was zieht Europäer hin zum Islam?

Früher war Christoph Peters Maler. Heute gehört er zu den bekanntesten deutschen Schriftstellern. Sein erster großer Erfolg war der Roman "Stadt, Land, Fluss“. Bei uns im Hörsaal erzählt er seine eigene Geschichte: Wie er streng katholisch aufwächst. Wie er tief eintaucht in die komplizierten Regeln des Katholizismus, wie schwer zugänglich alles dennoch bleibt. Atheismus ist keine Alternative, findet Peters. Dafür zieht ihn der Islam an. Dessen Glaubenssätze sind viel einfacher. Die ritualisierten täglichen Gebeten verleihen dem Leben einen religiösen Halt, der alles durchdringen kann.

"Als ich vor 25 Jahren in Kairo über mehrere Wochen sah, wie zehntausende Menschen sich Tag für Tag auf ihren Teppich stellten, aufrecht standen, nieder knieten, die Stirn auf die Erde drückten und dabei heilige Verse murmelten, merkte ich unmittelbar nach einer kurzen, peinlichen Berührung, dass ich sie um dieses Ritual regelrecht beneidete."

Was es im Alltag bedeutet, zum Islam zu konvertieren, erzählt Pascal Fischer in seiner Reportage "Volker wird Muslim": Eigentlich ist Volker Willing gar nicht religiös, doch dann diskutiert er mit einem muslimischen Freund lange und intensiv über Religion. Er lernt dessen Familie kennen, verliebt sich in die Schwester, und merkt auf einmal: "Ich bin Muslim!"

Christoph Peters hat seinen Vortrag am 28. Mai 2015 in Berlin gehalten, im Rahmen der Mosse-Lectures. Sie wird von der Humboldt-Universität in Zusammenarbeit mit der Mosse Foundation und der Fritz Thyssen Stiftung veranstaltet.