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Der Arzt Michael Küster aus Bonn kritisiert die Impfstrategie der Bundesregierung, vor allem deren Umsetzung. Sein Vorwurf: zu wenig Impfdosen und ein viel zu knapper Zeitplan. Was muss besser werden?

Seit Ende Dezember sind in Deutschland laut Angaben des RKI mehr als 530.000 Menschen geimpft worden. Dass es bei so einer gigantischen Impfaktion anfangs etwas ruckelt, ist zwar verständlich. Der Arzt Michael Küster aus Bonn war kurz nach dem Impfstart aber richtig sauer. Der Allgemeinmediziner und Schmerztherapeut impft selbst und hat die Unregelmäßigkeiten unter anderem beim Einsatz in einem Heim mitbekommen.

Zu wenig Impfdosen

Sein Hauptvorwurf: Die Impfung sei zwar über Wochen angekündigt gewesen. Als es dann losgehen sollte, hätten aber nur "lachhaft" wenige Impfdosen zur Verfügung gestanden.

"Es wurde zunächst nur eine – das muss ich schon ehrlicherweise sagen – lachhafte Anzahl an Impfdosen nach Bonn geliefert. Das hat mich sehr verärgert."
Michael Küster, Allgemeinmediziner aus Bonn

Am ersten Tag hätten in Bonn nur 180 Dosen zur Verfügung gestanden, von denen dann nur 100 verimpft wurden. Am zweiten Tag seien 1000 Dosen verfügbar gewesen, injiziert worden sei aber keine einzige, so Michael Küster.

Die Menschen wollten den Schutz aber endlich haben. Und er und sein Team aus angestellten Ärzten wollten auch möglichst schnell möglichst viele Menschen effektiv impfen. Sie hätten sich gut vorbereitet und für das große Bonner Impfzentrum und als mobile ambulante Truppe, die Altersheime besucht, zur Verfügung gestellt.

Zu knapper Zeitplan

Die verbindlichen Informationen seien aber einfach zu spät angekommen. Beispielsweise seien die Altersheime am 23. Dezember um 17.30 Uhr angeschrieben worden, sie sollten bitte melden, welche Personen denn eventuell am 27. Dezember geimpft werden könnten. Das sei allerdings zeitlich nicht zu organisieren gewesen, da viele der Verantwortlichen da verständlicherweise schon frei gehabt hätten.

"Es wurde einfach zu spät organisiert. Das geht überhaupt nicht. Man hätte das viel, viel früher machen müssen."
Michael Küster, Allgemeinmediziner aus Bonn

Es sei absehbar gewesen, wie es laufen würde, sagt Michel Küster: Wenn ein Fragebogen, den Ärzte und Angehörige der zu impfenden Personen ausfüllen müssen, erst am 23. Dezember an die Altersheime geschickt wird, dann sei ein Scheitern vorprogrammiert.

Inzwischen laufe das Ganze zwar ein bisschen besser an: Die ersten Altersheime in Bonn seien jetzt geimpft worden, immerhin 350 Menschen. Trotzdem seien er und sein Team sehr weit hinter den eigenen Möglichkeiten zurück.

Hoffnung: Impfstoff von Moderna

Der Arzt setzt große Hoffnung in den Impfstoff der Firma Moderna, der inzwischen zugelassen ist. Er sei "in ausreichend hohen Mengen bestellt worden" und habe den großen Vorteil, dass er – im Unterschied zum Biontech/Pfizer-Produkt – in jedem Praxiskühlschrank zwischen zwei und acht Grad stabil gehalten werden könne.

Michael Küster wünscht sich, dass die Dosen so schnell wie möglich an die niedergelassenen Hausärzte und Fachärzte geliefert werden. Die Leute würden ihm "die Bude einrennen", sagt er. Wenn er pro Tag 200, 300 Impfdosen bekommen könnte, würde er vor der Praxis einen Impfcontainer aufbauen: Nach einem Einbahnstraßensystem würden die Menschen dann auf der einen Seite reingehen und auf der anderen geimpft wieder hinaus.