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Die Zahl der Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Anzeichen dafür ist während der Coronakrise angestiegen. Jetzt an Weihnachten feiern viele Menschen allein. Wer aber gerade jetzt jemanden zum Reden oder Hilfe braucht, kann sich an verschiedene Hotlines wenden.

Über die Feiertage und zum Jahresende machen es sich viele Menschen zu Hause gemütlich und versuchen, ein bisschen runterzukommen. Manchen wird es aber vielleicht zu gemütlich daheim. Zu ruhig. Weil sie Familienangehörige schützen wollen, in Quarantäne oder krank sind, "feiern" sie alleine. Das kann zum echten Problem werden. Erste Studien und Umfragen zeigen: In der Pandemie haben Depressionen, Angststörungen oder Trauma-Folgestörungen zugenommen, beziehungsweise ein deutlicher Anstieg wird in absehbarer Zeit erwartet.

Reden ja – aber mit wem?

Betroffene wollen in solchen Situationen aber manchmal vielleicht gar nicht mit einer Person aus dem Freundes- oder Familienkreis sprechen. Reden möchten sie aber schon. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten – zum Beispiel die Telefonseelsorge. Dort erreicht man immer jemanden, rund um die Uhr, auch an Feiertagen.

"Bei der Telefonseelsorge können Interessierte immer anrufen. An jedem Tag in der Woche, rund um die Uhr, auch an Feiertagen."
Rahel Klein, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Mit fast 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und über 7000 ausgebildeten Ehrenamtlichen hat die Telefonseelsorge ein großes Netzwerk in Deutschland. In der Weihnachtszeit wird das Angebote noch einmal aufgestockt.

Interessierte können entweder die Telefonnummer 0800 – 111 0 111 wählen oder über die Webseite mit jemandem chatten oder per Mail Kontakt aufnehmen – je nachdem, womit sich die Person am wohlsten fühlt. Alle Angaben werden vertraulich und anonym behandelt. Die Telefonseelsorge bietet auch eine App an, den "Krisenkompass", eine Art Hilfe zur Selbsthilfe.

Vertraulich und anonym

Manchmal möchten Leute aber vielleicht auch mit jemandem sprechen, der in einer ähnlichen Lebenssituation ist wie sie selbst. An vielen Hochschulen gibt es zum Beispiel sogenannte "Nightlines". Dort kann man abends anrufen und findet offene Ohren: Studierende hören einem zu und sind für einen da. Auf Nightlines.eu gibt es eine Liste, auf der zu sehen ist, wer gerade wie erreichbar ist.

In Hamburg gibt es auch die Studentische Telefonseelsorge der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG). Sie ist jeden Tag im Jahr von 20 bis 24 Uhr besetzt und über die Telefonnummer 040 – 411 70 411 zu erreichen. Anrufen kann jede und jeder aus ganz Deutschland, egal ob man studiert oder nicht. Das Angebot gehört zur Deutschen Telefonseelsorge dazu, hier hören einem aber eben immer nur Studentinnen oder Studenten zu. Die Studierenden, die dort mitmachen, werden zwei Semester lang zur Telefonseelsorgerin oder zum Telefonseelsorger ausgebildet und bekommen auch später noch Fortbildungen.

Während der Pandemie sei die Zahl der Anrufenden um etwa ein Drittel gestiegen, sagt der Pastor und Psychologe Christof Jaeger, der die studentische Telefonseelsorge leitet. Das Team gehe davon aus, dass das auch über die Feiertage so bleibt oder sich sogar noch verstärkt.

Einsamkeit und Beziehungssorgen

Das Thema Einsamkeit sei schon vor Corona ein sehr großes Thema bei den Anrufenden gewesen, sagt Christof Jaeger. Daran habe sich während der Pandemie natürlich nichts geändert, im Gegenteil. Corona sorgt außerdem für finanzielle Sorgen – wenn etwa der Job in der Gastronomie weggebrochen ist.

Außerdem spiele das Thema Beziehungen eine große Rolle. Viele Probleme würden sich während der Pandemie verstärken.

"Konflikte, die schon vorher angelegt waren, verschärfen sich in der jetzigen Situation. Es gibt Unklarheit, wie das Leben weitergehen soll, wenn eine Beziehung zerbrochen ist."
Christof Jaeger, Leiter der Studentischen Telefonseelsorge Hamburg

Auch die unklaren Perspektiven, wie es nach dem Studium jetzt weitergehen soll, hätten 2020 eine besondere Rolle gespielt, so Jaeger.

Angebot der Kirchen

Die Telefonseelsorge wird von der Kirche finanziert. Die Religionszugehörigkeit spielt aber keine Rolle, sagt Deutschlandfunk-Nova- Reporterin Rahel Klein. Anrufen kann und soll jede und jeder – egal, welche Weltanschauung oder Glaubensrichtung sie oder er hat, versichert Christof Jaeger.

"Die Telefonseelsorge ist kein Ort, an dem missioniert wird oder wo ein religiöses Hintergrundthema mitreingedrängt wird. Das ist weltanschaulich total neutral."
Christof Jaeger, Leiter der Studentischen Telefonseelsorge Hamburg

Die Caritas bietet für jüngere Ratsuchende neben ihrem Online-Beratungs-Angebot U25 das "Gemeinsam statt einsam"-Projekt an, das ebenfalls als Online-Beratung stattfindet. Die Besonderheit der Angebote ist, dass die Beraterinnen und Berater ungefähr das gleiche Alter wie die Ratsuchenden haben und sich damit beispielsweise auch sprachlich besser annähern können.

Außerdem bietet der Verein für Kinder-, Jugend- und Soziale Hilfen eine Jugend-Notmail an.

Übrigens: Sich Hilfe zu suchen, wenn es einem schlecht geht, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke.