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Wie solltet ihr euch verhalten, wenn der Nachbar ein paar mehr Leute eingeladen hat als erlaubt? Und wie, wenn er in seinem Partykeller eine riesige Weihnachtsparty schmeißt? Wir haben uns Tipps von der Polizei geholt.

Am Anfang direkt mal eine Entwarnung: Ihr müsst euch keine Sorgen machen. Die Polizei wird über die Weihnachtstage keine unangekündigten Hausbesuche machen, ohne dass es dafür einen Grund gibt. Sie wird also nicht anlasslos und stichprobenartig checken, wie viele Menschen in eurem Wohnzimmer zusammengekommen sind und ob ihr euch denn auch alle schön an die Kontaktbeschränkungen haltet.

Dazu wird es nicht kommen, hat Jörg Radek, der Stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, betont. Im öffentlichen Raum werde die Polizei aber präsenter und auch für die Menschen sichtbarer sein und versuchen, Menschenansammlungen zu zerstreuen, sagte er im ARD-Morgenmagazin.

Unverletzlichkeit der Wohnung

Für den privaten Raum, die eigene Wohnung oder das Haus, gibt auch Michael Mertens, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Nordrhein-Westfalen, Entwarnung. Die Unverletzlichkeit der Wohnung sei ein hohes Gut in unserem Rechtsstaat, das gelte besonders am Heiligen Abend, so Mertens gegenüber Deutschlandfunk Nova. Kontrolliert werde erst bei Hinweisen aus der Bevölkerung oder wenn es zur Gefahrenabwehr nötig wird.

"Wir werden nicht von Tür zu Tür gehen wie das Christkind. Wir werden die Wohnung erst dann kontrollieren, wenn es Hinweise geben sollte aus der Bevölkerung. Aber auch zur Gefahrenabwehr, die ist das vorrangige Ziel."
Michael Mertens, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei NRW

Wenn allerdings jemand die Polizei anruft und von den 20 Leuten erzählt, die beim Nachbarn um den Baum hocken, dann muss die Polizei solchen Hinweisen aber nachgehen. Entweder wird dann das Ordnungsamt vorbeigeschickt oder eine Streife schaut nach dem Rechten. Die Beamten bitten dann darum, sich an die Kontaktbeschränkungen zu halten oder aber – im Falle einer Riesenparty – sie lösen die Veranstaltung auch auf.

Bis die Polizei eure Wohnung betritt, muss aber schon einiges passiert sein. Ihr müsstet euch etwa wiederholt geweigert haben, die Feier zu beenden. Leichtfertig kommt die Polizei in der Regel nicht einfach rein, erklärt Rahel Klein.

Wenn der Nachbar denunziert

Es soll Nachbarn geben, die die Polizei rufen, weil sie ein Auto mit fremdem Kennzeichnen in der Einfahrt stehen sehen und dann denken, sie müssten das jetzt sicherheitshalber mal melden. Doch genau das, also den Nachbarn zu denunzieren, kann die Polizei auch nicht gebrauchen: Wer tatsächlich das Gefühl habe, die Party beim Nachbarn drohe zu eskalieren, dem empfiehlt Michael Mertens zunächst den persönlichen Kontakt – entweder mit Abstand an der Tür oder per Telefon.

"Ein weihnachtliches Miteinander ist hier angesagt – dass man da freundlich darauf hinweist und nicht für jeden möglichen Hinweis die Polizei anruft."
Michael Mertens, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei NRW

Ob jetzt fünf statt vier Familienmitglieder zu Besuch sind, ist eine ganz andere Hausnummer als eine Weihnachts-Party mit 50 Leuten im Keller zu feiern. Das sieht auch die Polizei so und appelliert an die Vernunft aller Bürgerinnen und Bürger. Nur wenn wir uns alle an die Regeln halten, sei die Pandemie erfolgreich zu bekämpfen.

"Es geht nicht um Kontrolle – wer guckt wem in die Wohnung rein, wer denunziert wen. Sondern es geht um die Vernunft von uns allen."
Michael Mertens, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei NRW