Seit einigen Wochen steigen die Corona-Infektionszahlen wieder. Vor allem Menschen unter 35 Jahren sind betroffen. Das ist ein Problem.

Im Sommer hatten wir in Deutschland täglich ein paar hundert Neuinfektionen. Inzwischen sind die Zahlen aber stark angestiegen, täglich sind es 1500 Neuinfektionen oder mehr. Ausnahme: An Montagen sind die Zahlen niedrig, weil nicht alle Gesundheitsämter am Sonntag arbeiten.

Zu Beginn der steigenden Zahlen, im Sommer und zum Sommerende hin, ließ sich sagen: Das liegt an den Reiserückkehrerinnen und Rückkehrern. Menschen haben sich im Urlaub in anderen Ländern angesteckt. "Aber die Sommerferien sind jetzt auch in dem letzten Bundesland seit einer Woche vorbei", erklärt Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori, "die Reiserückkehrer spielen also eine immer kleinere Rolle bei den Neuinfektionen".

"Corona verbreitet sich"

Das bedeutet: Wenn die Zahlen jetzt steigen, liegt das immer mehr an Infektionen, die hier in Deutschland geschehen. "Weil das Virus hier kursiert, weil es sich immer weiterverbreitet", sagt die Wissenschaftsjournalistin.

Der Herbst unterstützt das, meint Christina Sartori: Es wird am Abend kühler und ungemütlicher, die Menschen sitzen nicht mehr draußen in Parks, auf Balkonen oder in Gärten, sondern treffen sich lieber im Wohnzimmer, in Restaurant oder ähnlichen Orten. Drinnen eben.

"Das Virus scheint weit weg zu sein. Aber um das nochmal klar zu sagen: Es gibt keine Hinweise, dass das Virus weniger gefährlich geworden ist."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Die Situation in Deutschland wirkt noch entspannt und sorglos, sagt Christina Sartori. Schulen und Kitas haben geöffnet, in Krankenhäusern gibt es wenige Covid19-Patienten, es sterben kaum Menschen an der Krankheit. Derzeit gibt es weniger als 10.000 Todesopfer in Deutschland. Zum Vergleich: In Italien und Frankreich sind es laut Statista mehr als 30.000.

Unauffälliges Virus

Es gibt keine Hinweise, dass das Virus weniger gefährlich geworden ist, sagt die Wissenschaftsjournalistin. Derzeit sind vor allem Menschen unter 35 Jahren von den Neuinfektionen betroffen.

Das ist einerseits positiv: Bei jüngeren Menschen ist das Risiko für einen schweren Verlauf geringer. Viele merken gar nicht richtig, dass sie sich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert haben, weil die Symptome so schwach sind. Andererseits wird es deshalb unterschätzt. Und so sind auch wieder ältere Menschen stärker gefährdet. Die Wissenschaftsjournalistin rechnet damit, dass schwere Erkrankungen wieder zunehmen und mehr Menschen in Krankenhäuser eingeliefert werden.

"Man sieht das gerade in Spanien und Frankreich: Auch da beginnen erst jetzt, die Krankenhäuser sich wieder zu füllen – nachdem wochenlang täglich hohe Zahlen an Neuinfektionen gemeldet wurden."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Wer denkt, es sei ein Vorteil, wenn viele Menschen unter 35 sich anstecken, nicht schwer erkranken und dann gegen das Virus immun sind, irrt. Die Wissenschaftsjournalistin sagt, "man weiß nicht wie lange dieser Schutz anhält, kann sein, dass die sich nach vier Monaten wieder anstecken können - und dann auch andere Menschen anstecken."

Es bleibt also auch bei bereits Erkrankten dabei: Maske, Hygiene, Abstand.