Die Corona-Impfung soll uns vor einer Erkrankung an Covid-19 schützen. Offen ist bisher, ob wir trotz des Impfschutzes für andere ansteckend sein können.

Theoretisch sei es vorstellbar, dass wir uns mit Sars-CoV-2 anstecken und auch andere damit infizieren, selbst wenn wir bereits gegen das Coronavirus geimpft wurden.

Der Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth sagt, dass das mit dem Unterschied zwischen einer Impfung und einer Infektion zusammenhänge. Denn der Atemwegs-Erreger Sars-CoV-2 greift zunächst die Schleimhäute in Mund und Nase an und verbreitet sich dort. Wohingegen der Impfstoff in den Muskel gespritzt wird und sich in unserem Blut verteilt.

"Der Impfstoff kommt nicht auf die Schleimhäute, der wird ja in den Muskel gespritzt. Das aktiviert ebenfalls das Immunsystem, aber das denkt jetzt, es hat mit einem Problem im Inneren des Körpers zu tun und bildet eine andere Sorte von Antikörpern."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Dementsprechend reagiert der Körper mit jeweils unterschiedlichen Immunantworten auf eine Infektion und eine Impfung. Während bei einer Infektion über die Schleimhäute Immoglobulin-A-Antikörper (IgA) gebildet werden, sind es bei einer Impfung Immoglobulin-G-Antikörper (IgG).

Das bedeutet: Nach einer Impfung sind die Schleimhäute erst mal nicht so stark durch Antikörper geschützt wie bei einer Infektion auf natürlichem Wege. Werden unsere Schleimhäute nach einer Impfung mit Sars-CoV-2 infiziert, so ist es vorstellbar, dass die Viren sich zunächst festsetzen und vermehren. Das hängt damit zusammen, dass unser Körper in den Schleimhäuten noch keine ausreichende Immunantwort parat hat, sagt Volkart Wildermuth.

Sind wir allerdings geimpft, ist es – je nach Wirksamkeit des Impfstoffes – relativ unwahrscheinlich, dass wir an Covid-19 erkranken, weil bereits IgG-Antikörper in unserem Körper vorhanden sind.

"Es gibt Impfstoffe, die als Nasenspray gegeben werden, zum Beispiel gegen die Grippe, einen Impfstoff speziell für Kinder, die lösen genau die passende Immunantwort in den Schleimhäuten aus."
Volkart Wildermuth, Deutschlandfunk Nova

An Corona-Impfstoffen in Form eines Nasensprays wird bereits in Tübingen geforscht. In China, Kuba und den USA laufen sogar schon klinischen Studien. Ein Nachteil bei Impfstoffen, die als Nasenspray verabreicht werden: Sie können nicht so genau dosiert werden.

Bis Impfstoffe in Form von Nasensprays verfügbar sind, wird allerdings noch einige Zeit vergehen, sagt der Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth.

Er empfiehlt daher nicht, darauf zu warten. Es sei besser, sich jetzt mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna und bald wohl auch mit Impfstoff von AstraZeneca impfen zu lassen. Denn es sei anzunehmen, dass sie zumindest zum Teil auch die Weiterinfektion unterbinden, sagt Volkart Wildermuth.

"Alles spricht dafür, dass dadurch auch eine mögliche Infektion relativ schnell zurückgedrängt wird. Wer geimpft ist, sollte also in jedem Fall erheblich weniger infektiös sein."
Volkart Wildermuth, Deutschlandfunk Nova

Was wir bisher wissen: Klar ist, dass die Impfstoffe eine starke Immunantwort auslösen. Alles spricht dafür, dass dadurch auch eine mögliche Infektion relativ schnell zurückgedrängt wird. Wer geimpft ist, sollte also in jedem Fall erheblich weniger infektiös sein, sagt Volkart Wildermuth.

Zurzeit laufen Studien von Impfstoffherstellern, die einige Zeit nach der Impfung untersuchen, welche Antikörper die Geimpften im Blut haben.

Denn durch die Impfung werden nur Antikörper gegen das Spike-Protein gebildet. Bilden sich allerdings zusätzliche Antikörper gegen andere Eiweiße des Coronavirus, dann ist das ein Hinweis, dass es trotz Impfung zusätzlich noch eine natürliche Infektion gegeben hat.

Aussagen dazu, wann diese Firmen konkrete Ergebnisse liefern können sind vage, einige Wochen wird es wohl noch dauern.