Fahrradfahren in Coronazeiten ist gut, weil die Ansteckungsgefahr gering ist. Allerdings gilt das Gleiche auch für Autos. Und das birgt Konfliktpotenzial.

Fahrradfahren in der Stadt hat gerade sehr prominente Unterstützer: Christian Drosten, Chef-Virologe der Berliner Charité, erzählt im NDR-Podcast immer wieder, dass er mit dem Fahrrad durch Berlin fährt, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat auch schon vor Wochen empfohlen, aufs Fahrrad umzusteigen - als Alternative zum Bus- und Bahnfahren. Und auch das Frühlingswetter trägt seinen Teil dazu bei, dass viele Menschen das Rad nehmen.

Städte regeln den Straßenverkehr neu

Unsere Reporterin Verena von Keitz hat recherchiert. Sie stellt fest, dass Städte zum Teil auf diesen Trend reagieren und Radlern die Vorfahrt geben. In Berlin-Kreuzberg etwa sind provisorisch auf zwei Straßen eigene Radstreifen abgeteilt worden. Drei weitere sollen folgen.

In Leipzig hat die Stadtverwaltung gerade im Eilverfahren eine Autospur vor dem Hauptbahnhof in eine "Corona-Spur" umgewandelt. Die Spur ist nur für Menschen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind.

Und auch in Österreich tut sich was: In Wien hat man gerade Regelungen getroffen, damit ganze Straßen für den Autoverkehr weitgehend gesperrt werden können.

Mehr Menschen steigen also um aufs Rad - auch solche, die es nicht so gewöhnt sind, in der Stadt zu radeln, weil sie vorher meistens mit Bus und Bahn unterwegs waren. Die neu abgetrennten Fahrspuren sollen jetzt für mehr Sicherheit sorgen. Allerdings sind gleichzeitig immer noch viele Autos unterwegs. Hinzu kommt das Problem, dass viele Autofahrer und Autofahrerinnen derzeit schneller fahren als sonst. Das hat zum Beispiel die Kölner Polizei der Kölnischen Rundschau bestätigt.

"Wenn die Fußwege dann auch noch zugeparkt sind, hast du gar keine Chance vernünftig Abstand zu halten, wenn dir jemand entgegenkommt, schon gar nicht, wenn du mit Rollstuhl oder Kinderwagen unterwegs bist."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Die Problematik hat noch weitere Facetten: Bürgersteige sind oft nicht breit genug, damit Fußgänger mit einem Abstand von 1,50 Meter aneinander vorbeilaufen können. Erst recht nicht, wenn Menschen mit einem Kinderwagen oder im Rollstuhl unterwegs sind. Deswegen hat der Verein Fuss e.V., der sich für Fußgänger einsetzt, in einer solchen Situation empfohlen, vorsichtig auf die Fahrbahn zu wechseln, um den geforderten Mindestabstand einzuhalten. Die Polizei hat darauf jedoch empfindlich reagiert. Denn das sei laut Straßenverkehrsordnung nicht erlaubt und sehr gefährlich.

Ragnhild Sörensen von Changing Cities, einer Bewegung, die sich für alternative Mobilität in Städten einsetzt, findet diese Empfehlung ebenfalls unverantwortlich - allerdings aus anderen Gründen. Sie sagt, sowas müsse durch Anordnungen der Verwaltung offiziell geregelt werden, zum Beispiel, dass Autos in Wohnstraßen nur noch 10 km/h fahren dürfen und Menschen, die zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren immer Vorrang haben.

Gleichzeitig gibt es auch genau entgegengesetzte Bestrebungen. In Düsseldorf zum Beispiel. Immerhin sind auch Autos im Moment eine gute Art, sich fortzubewegen, ohne ein Ansteckungsrisiko einzugehen. Düsseldorf hat deswegen die Umweltspur, die sie vor etwa einem Jahr - für Fahrradfahrer, Busse und Fahrgemeinschaften - eingerichtet hatte, nun wieder für den normalen Autoverkehr freigegeben. Und darüber hat sich wiederum der Ortsverband vom Radfahrverband ADFC aufgeregt, weil die Spur für radelnde Menschen dadurch wieder gefährlicher sei.