Die Coronavirus-Mutationen bekommen von der WHO neue Namen: Die Namen der Länder werden jetzt durch Buchstaben aus dem griechischen Alphabet ersetzt. Im Alltag kann man sich das leicht merken und die Buchstaben diskriminieren nicht.

In der Kommunikation über das Coronavirus gibt es die Fachbegriffe, die die Wissenschaft benutzt. Im Alltag hingegen vereinfachen wir diese Bezeichnungen oft und machen zum Beispiel aus der Coronavirus-Variante B.1.617 die "indische Mutante".

Möchte man korrekt sein, müsste man sie als Coronavirus-Variante bezeichnen, die zum ersten Mal in Indien entdeckt wurde. Durchgesetzt hat sich das im allgemeinen Sprachgebrauch kaum, wahrscheinlich, weil es zu umständlich ist. Zumal auch die Medien von der indischen, britischen oder etwa südafrikanischen Mutante sprechen.

"Wir haben auch viel in den Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten diskutiert, wie man das Namensproblem lösen kann. Als Überschrift ist 'Impfstoff wirkt gegen Coronavirus-Variante, die zuerst in Indien entdeckt wurde', zu lang."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk Nova

Wie diskriminierend solche Bezeichnungen sein können, macht ein Blick in die USA deutlich. Als Ex-Präsident Donald Trump dort vom "Chinese virus" sprach, wurden asiatisch gelesene Menschen angegriffen und für die Coronavirus-Pandemie verantwortlich gemacht. Auch in Deutschland gab es solche diskriminierenden Vorfälle.

Anti-diskriminierende neue Namen

Ähnlich verhält es sich mit den Namen für die Mutationen. Ersetzen wir die neutrale Nummernreihenfolge wie B.1.617 durch den Namen eines Landes, kann der stille Vorwurf mitschwingen, die betroffenen Länder hätten zum Ausbruch der jeweiligen Mutante beigetragen oder diesen zu verantworten. Dass die Coronavirus-Variante dort einfach nur zum ersten Mal entdeckt wurde, geht dabei oft unter.

Aus Angst vor Vorwürfen, Varianten später melden

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) befürchtet, Länder könnten neue Variante später melden, weil sie nicht damit in Verbindung gebracht werden wollen. Deshalb hat sie vor einigen Monate begonnen, alternative Namen zu finden, die einfach gehalten sind und auch wertneutral: Buchstaben aus dem griechischen Alphabet sollen das Problem lösen.

Danach heißen die Coronavirus-Varianten, die die WHO als besorgniserregend einstuft (Variants of Concern), ab sofort:

  • B.1.1.7 (Großbritannien) Alpha
  • B.1.351 (Südafrika) Beta
  • P. 1 (Brasilien) Gamma
  • B.1.617.2 (Indien) Delta
"Alpha, Beta, Gamma dienen sozusagen als Spitznamen, die man leicht aussprechen und sich leicht merken kann."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk Nova

Eine Reihe von Mutanten ist auch schon nach den Buchstaben Epsilon, Zeta, Eta, Theta benannt. Die zählt die WHO allerdings bislang zu den Mutationen, die sie beobachtet (Variants of Interest).

Das griechische Alphabet endet allerdings nach dem 24. Buchstaben. Was passiert, wenn alle Buchstaben vergeben sind, ist unklar. Die Fachbezeichnungen mit den Nummernreihenfolgen bleiben aber weiterhin bestehen.