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Die Meldung rassistischer Diskriminierungen hat sich in Deutschland 2020 im Vergleich zu 2019 statistisch fast verdoppelt. Unserer Reporterin Minh Thu Tran hat diese drastische Entwicklung beobachtet und damit selbst Erfahrungen gemacht.

Während der Corona-Pandemie hat sich die Diskriminierung einzelner Gruppen in Deutschland deutlich verstärkt. Zu diesem Ergebnis kommt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Bis Ende November 2020 habe es mehr als 6000 Beratungsanfragen gegeben, gegenüber 3200 im gleichen Zeitraum des Vorjahres, sagte Behördenleiter Bernd Franke. Die Pandemie habe wie ein Brandbeschleuniger für die Diskriminierung einzelner Gruppen gewirkt.

Rassistische Diskriminierung: 90% mehr Meldungen

Die Meldungen über rassistische Diskriminierung haben ihm zufolge bis Oktober 2020 also um mehr knapp 90 Prozent zugenommen. Zu Beginn der Pandemie seien zunächst asiatisch aussehende Menschen diskriminiert worden, später seien Wohnhäuser von Sinti und Roma publikumswirksam abgeriegelt worden.

Mehr Meldungen, das müsste nicht automatisch mehr Diskriminierung bedeuten – es könnten auch nur die Sensibilität und Meldebereitschaft gestiegen sein. Aber auch Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Minh Thu Tran bestätigt, dass gerade asiatisch aussehende Menschen vermehrt diskriminiert worden sind. Auch Hörerinnen und Hörer von Minh Thus Podcast "Rice and Shine" haben vermehrt von Diskriminierung berichtet, sagt sie. Im Mittelpunkt steht hier die vietdeutsche Community in Deutschland.

Vietdeutsche als Ziel von Attacken

Minh Thu berichtet: "Wir haben Dutzende Zuschriften aus unserer Community bekommen. In der Bahn haben Menschen die Schals höher gezogen und sich weggesetzt, in Arztpraxen sind sie von anderen Patienten angepöbelt und böse angeschaut worden. Das sind keine Einzelfälle." Auch Minh Thu selbst ist aufgrund ihres Äußeren verbal attackiert worden. Und das ging vielen so – in unserem Programm haben wir deshalb im Mai 2020 über die Gegenbewegung #ichbinkeinvirus berichtet.

"Ich hatte schon relativ früh eine Stoffmaske auf, weil ich das einfach sinnvoll fand. Ich wurde dann auf der Straße von einem Mann beschimpft: Schon wieder so eine, die das Virus hier rübergeschleppt hat."
Minh Thu Tran, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Sebastian Bickerich hat viele vergleichbare Fälle registriert. Er ist Pressesprecher der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und sagt: "Das waren verweigerte Mietverträge von einer Frau mit chinesischem Hintergrund, das waren Zutrittsverbote in Supermärkten oder teilweise auch in Arztpraxen, das waren aber auch Pöbeleien und andere Ausgrenzungserfahrungen."

Diskriminierung in Phasen

Sebastian Bickerich erklärt, dass dann in einer zweiten und dritten Phase verstärkt auch andere Gruppen angegriffen worden sind. Häufig sei ihnen unterstellt worden, sie seien als Gruppen besonders unvorsichtig und verbreiteten das Virus angeblich besonders schnell.

"Da wurden dann Sündenböcke gesucht. Manchmal waren das Sinti und Roma. Da wurden ganze Stadtviertel und Häuserblocks publikumswirksam abgeriegelt. Als sei dort das Virus und alle anderen seien geschützt."
Sebastian Bickerich, Pressesprecher der Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Auch in einzelnen Fällen, wo Hochzeitsfeiern von Menschen mit Migrationshintergrund zu einem intensiveren Infektionsgeschehen geführt haben, rechtfertige das eben nicht, bestimmte Minderheiten unter Generalverdacht zu stellen, sagt Minh Thu. Sie erinnert an das zeitweise rasante Infektionsgeschehen beispielsweise im Berchtesgadener Land im Oktober oder in Sachsen, wo nur wenige Menschen mit Migrationshintergrund leben.

Für Minh Thu ist es wichtig, mit so traumatischen und schockierenden Erfahrungen nicht allein zu bleiben. Sie kann den Austausch mit anderen Betroffenen nur empfehlen.

"Ich finde, wenn man merkt, dass man nicht alleine ist, fühlt man sich viel weniger machtlos."
Minh Thu Tran, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Und Sebastian Bickerich empfiehlt Menschen, die rassistisch attackiert worden sind, sich zu wehren:

"Sie sollten Diskriminierungserfahrungen auf keinen Fall auf sich sitzen lassen. Und auf keinen Fall denken, das bringt ja eh nix. Wir bieten eine kostenlose Erstberatung an."
Sebastian Bickerich, Pressesprecher der Antidiskriminierungsstelle des Bundes