Bislang sind mehr Männer als Frauen an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankt, die durch das Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelöst wird. Das zeigen Untersuchungen in China. Für Deutschland lässt sich das noch nicht abschließend sagen. Aber es zeichnet sich eine Tendenz ab.

Jede und jeder kann sich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infizieren. Ob das Virus dann die Lungenkrankheit Covid-19 bei den Infizierten auslöst, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Manche Menschen bemerken gar nicht, dass sie infiziert sind, weil sich keine Symptome zeigen.

Männer leben ungesünder und sind deshalb gefährdet

Die Forschenden können aus den Zahlen, die aus China vorliegen, erste Erkenntnisse ziehen. In China erkrankten Frauen und Männer ähnlich oft. Aber Männer starben deutlich häufiger. Die Forschenden nehmen an, dass zwei Bedingungen dafür verantwortlich sind:

  • Frauen haben eine stärkere Immunabwehr. Auf jeden Fall können sie bestimmte Infektionen besser abwehren als Männer.

Bei der Sars-Epidemie 2003 in Hongkong haben Forschende Ähnliches wie jetzt bei der Coronavirus-Epidemie in China beobachtet. Angesteckt haben sich ähnlich viele Männer wie Frauen. Gestorben sind aber mehr Männer. Auch bei der Grippe und bei Atemwegserkrankungen ist bekannt, dass Männer schwerer daran erkranken.

Gesunder Lebensstil und mehr Östrogene

Das stärkere Immunsystem der Frauen könnte daher kommen, dass sie gesünder leben. Aber es gibt auch einen hormonellen Unterschied, der dazu beiträgt. Das Hormon Östrogen hat eine Art Schutzfunktion vor Infektionen. Das Immunsystem von Frauen kann deshalb schneller, effektiver und aggressiver gegen bestimmte Krankheitserreger ankämpfen.

Forschende der Uni Stanford haben herausgefunden, dass Frauen nach einer Grippeschutzimpfung deutlich mehr Antikörper im Blut aufweisen als Männer. Männer, die das als ungerecht empfinden, können selbst etwas daran ändern, indem sie gesünder leben. So könnten sie dem Immunsystem von Frauen ziemlich nahekommen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthis Dierkes.

"Je gesünder Männer leben, desto näher kommen sie dem Immunsystem der Frauen. Also, man kann schon was machen als Mann."
Matthis Dierkes, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Ob sich den Unterschied zwischen Mann und Frau in den Zahlen aus Deutschland ebenso bemerkbar machen wird, kann man noch nicht sagen. Das Robert Koch Institut hat in einer Statistik zumindest eine Tendenz festgestellt: 56 Prozent der Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind, sind Männer. Mit dem Rauchen ist der Unterschied in Deutschland wohl kaum zu erklären: Hier raucht jeder vierte Mann und jede fünfte Frau.

Grundsätzlich sind in Deutschland Frauen deutlich stärker einer Ansteckungsgefahr ausgesetzt als Männer. Der Grund: Viele von ihnen arbeiten als Verkäuferinnen, Kassiererinnen, Krankenpflegerinnen, Erzieherinnen, Arzthelferinnen, Ärztinnen oder Apothekerinnen. Berufe, bei denen sie viele Kontakte mit anderen Menschen haben. Im Schnitt arbeiten in diesen Berufen deutlich mehr Frauen als Männer. Teilweise sogar doppelt so viele.

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Shownotes
Coronavirus-Pandemie
Frauen haben höhere Überlebenschance
vom 23. März 2020
Moderator: 
Paulus Müller
Gesprächspartner: 
Matthis Dierkes, Deutschlandfunk-Nova-Reporter