Wie wir sind, hängt von unserer DNA ab. Vermutlich aber nicht nur - weil Umwelteinflüsse und der Lebensstil die Aktivität von Genen beeinflussen können. Womöglich ist dieser Einfluss sogar vererbbar.

Bei der Epigenetik geht es um die persönlichen Lebensstile und um Umwelteinflüsse einzelner Menschen. Genauer gesagt: um die Frage, wie diese die Aktivität von Genen beeinflussen können.

Bei Pflanzen, die von Forschern unter Stress gesetzt werden, lässt sich schon sehr gut beobachten, dass sich ihre Zellstrukturen ändern und diese Informationen auch in Nachzüchtungen enthalten sein können.

Beim Menschen lassen sich ebenfalls Veränderungen im Genom feststellen, die ohne Mutation ablaufen. Experten streiten sich darüber, ob diese sogar weitervererbt werden können. Bestimmte Gene werden - je nach Umwelteinfluss - an- und abgeschaltet oder wie bei einem Lichtschalter gedimmt. Die eigentliche DNA-Sequenz bleibt aber unverändert.

Doch noch stecken diese Untersuchungen in den Kinderschuhen.

"Große Bereiche unseres Genoms sind immer noch informationelle Wüste für uns. Wir kennen die Basenabfolge, aber wir wissen nicht, was im Genom passiert."

Jörn Walter, der an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gesprochen hat, wehrt sich gegen die viel zitierte Aussage, dass Genom sei bereits vollständig entschlüsselt.

Wie er stößt auch der Genetiker Christoph Plass vom Krebsforschungszentrum Heidelberg stets auf neue und immer wieder spannende Erkenntnisse. Faszinierend für ihn: dass die Gene in den Zellen gleich bleiben, sich aber die Genexpression deutlich verändert.

"Das, was die Zelle gelernt hat, kann sie auch weitervererben."
Christoph Plass, Krebsforscher

Für Plass, der in der Exkurs-Reihe der Deutschen Forschungsgemeinschaft in München vorgetragen hat, ergeben sich bisher unbekannte Ansätze bei schweren Krankheiten: Welche Umwelteinflüsse und welcher Lebensstil begünstigen bösartige Veränderungen im Genom? Und: Wie lassen sich in Zukunft krankhaft veränderte Zellen durch Genmanipulation erfolgreich bekämpfen?

Zum Thema Epigenetik auch dieser Hörsaal vom 10.09.2017.