Wenn es ums Couchsurfen geht, denken viele Reisende an die Plattform couchsurfing.com. Aber es gibt auch Alternativen: Wir haben sie uns angeschaut.

Beim Reisen kostenlos bei Einheimischen übernachten, statt Geld für ein Hostel oder Hotel auszugeben: kurz Couchsurfing. Um die Community von Reisenden und Locals miteinander zu verbinden, ging das Non-Profit-Portal couchsurfing.com 2004 an den Start. Sieben Jahre später wurde der gemeinnützige Verein zum kommerziellen Unternehmen. Als Folge löschten etliche Nutzerinnen und Nutzer ihr Profil bei der Plattform. Dennoch hat die Plattform immer noch die meisten User, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Susanne Hoffmann.

Einer der Hauptkritikpunkte: Ein kommerziell orientiertes Unternehmen passe unter anderem nicht zum idealistischen Gedanken eines Gastfreundschaftsnetzwerks. Zudem sorgten die veränderten Nutzungsbedingungen für Gegenwind: Nach dem Wechsel der Rechtsform konnte das Unternehmen die Daten der Mitglieder an Dritte weitergeben.

"An couchsurfing.com kommt zahlenmäßig zwar niemand heran, aber ich war überrascht, wie viele Alternativen es gibt."
Susanne Hoffmann, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

In den letzten Jahren sind daher einige neue Gastfreundschaftsnetzwerke entstanden, die sich weiterhin an dem idealistischen Gedanken orientieren – Bewelcome zum Beispiel. Weil hinter Bewelcome eine Non-Profit-Organisation steckt, wird sie oft als gemeinnützige Alternative zu couchsurfing.com bezeichnet.

Beim Thema Datenschutz können Nutzerinnen auf Bewelcome mitbestimmen. Besonders bietet sich die Plattform für Reisende in Europa oder Nordamerika an – hier gibt es die meisten Gastgeber. Mit über 120.000 Mitgliedern ist Bewelcome zudem eine der größeren Plattformen.

Vertrauen als Basis der Couchsurfing-Communitys

Der Austausch in vielen der kleineren Couchsurfing-Communitys ist vor allem von gegenseitigem Vertrauen bestimmt. Oft dienen Profil und Bewertungen als einziges Mitteln, um einen Eindruck von andere Nutzerinnen und Nutzern zu bekommen. Wer auf zusätzliche Sicherheit setzen möchte, sollte nach Plattformen suchen, die aufwendigere Profile ihrer Userinnen und Usern erstellen.

Um Mitglied bei der weltweiten Friedensorganisation Servas zu werden, müssen Interessierte daher erst eine Art Vorstellungsbrief schreiben. Im Anschluss folgt ein persönliches Interview. Und: Die Mitgliedschaft kostet 15 Euro pro Jahr. Hauptziel bei Servas ist der kulturelle Austausch von Userinnen und User.

Eine Anmeldegebühr gibt es auch bei der Plattform Women Welcome Women World Wide (5W). Wie der Name schon deutlich macht, richtet sich 5W speziell an Frauen, die sich über eine weltweite Mitgliederliste untereinander vernetzen.

"In Neuseeland wollte ich Kontakt zu Einheimischen haben. Daraufhin hab ich meine Liste durchgeschaut und mich mit Lisa vernetzt – wir hatten eine super schöne Zeit zusammen."
Couchsurferin Ingrid, Mitglied bei 5W

Melden sich Frauen hier an, müssen sie gleichzeitig mit dem Mitgliedsantrag eine Vertraulichkeitserklärung unterzeichnen, um so alle anderen Frauen zu schützen und den respektvollen Umgang miteinander zu versichern. Viele der Frauen nutzen das Netzwerk aber auch, um sich auf Reisen für Tagesausflüge mit Locals zu verbinden, statt sie nach einem Schlafplatz für die Nacht zu fragen.

5W zeigt: Innerhalb der Couchsurfing-Community gibt es viele weitere Netzwerke, die Mitglieder mit den gleichen Interessen zusammen bringen. Die Plattform Warmshowers richtet sich an Fahrradtouristen, die auf der Suche nach einem Gästezimmer oder Garten sind, wo sie ihr Zelt aufschlagen können.

Für jedes Interesse eine eigene Community

Reisende die sich vor allem für einen kulturellen Austausch interessieren, können über Talktalkbnb das Übernachten zum Sprachkurs machen und sich dort mit suchenden Gastgebern vernetzen. Reist ihr zum Beispiel durch Argentinien und ein Gastgeber möchte gerne Deutsch lernen, können beide Seiten vom Austausch profitieren.