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Die Corona-Maßnahmen werden wieder lockerer, es soll mehr Freiheiten für Menschen und die Wirtschaft geben. Wir erklären die geplanten Maßnahmen - und warum sie problematisch sind.

Bis tief in die Nacht haben Angela Merkel und die 16 Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten verhandelt: Wie soll es mit den Corona-Beschränkungen weitergehen? Jetzt steht fest, dass wieder mehr möglich sein soll. Mehr Menschen treffen, bald auch wieder shoppen.

Los gehen soll es am Montag, 8. März 2021. Neu ist, dass diese Öffnungsschritte ganz eng an die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen geknüpft ist, also an den Inzidenzwert.

Ines Grunow, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin
"Die Haltung ist plötzlich eine andere. Der Tenor ist jetzt eher: Wir müssen mit dem Virus leben."

Vor allem dürfen sich wieder mehr Menschen treffen.

  • Treffen von maximal fünf Menschen aus zwei Haushalten sind erlaubt, Paare gelten generell als ein Hausstand.
  • Bei einer Inzidenz unter 35 sind Treffen von zehn Personen aus drei Haushalten erlaubt.

Lockerungen in fünf Schritten

Außerdem gibt es einige Lockerungen, die an Termine und andere Voraussetzungen gebunden sind:

  1. Schritt: Schulen, Kitas und Friseursalon haben seit dem 01.03.2021 geöffnet, in einigen Bundesländern auch Gartenmärkte, Blumenläden, Fahrschulen oder Fußpflegesalons
  2. Schritt: Ab dem 08.03.2021 sollen bundesweit Buchhandlungen, Blumengeschäfte, Baumärkte und körpernahe Dienstleistungen öffnen dürfen.
  3. Schritt: Ab dem 08.03.2021 werden Lockerungen im Einzelhandel, Zoos und Museen an die Sieben-Tage-Inzidenz geknüpft.
  4. Schritt: Frühestens ab dem 22.03.2021 kann es Lockerungen in der Gastronomie, im Theater, Kinos oder beim Sport geben. Bei einer Inzidenz unter 50 darf die Außengastronomie öffnen.
  5. Schritt: Frühestens ab dem 05.04.2021 gibt es weitere Lockerungen im Sport und bei Veranstaltungen.

So soll der Einzelhandel wieder öffnen dürfen

Lockerungen beim Shopping bedeutet nicht, dass komplett frei eingekauft werden kann. Es gibt Regeln:

  • Beträgt die Inzidenz weniger als 100, dürfen Geschäfte Termine zum Shoppen vergeben: Ihr bucht dann ein festes Zeitfenster zum Beispiel für den Klamottenladen und dürft euch dann dort aufhalten.
  • Bei einer Inzidenz stabil unter 50 darf der Einzelhandel regulär öffnen

Bund und Länder haben aber auch eine Notbremse bei den Lockerungen eingebaut: Wenn der Inzidenzwert über 100 steigt, dann ist erstmal Schluss mit Öffnungen, dann gelten die Regeln, die wir aktuell haben. "Ganz wichtig ist eben auch, dass so schnell wie möglich noch mehr getestet werden soll und noch mehr geimpft", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ines Grunow.

Christina Sartori, Medizinjournalistin
"Ich mache mir echt Sorgen. Ich fürchte, dass mit dieser Regelung die Zahlen steigen werden."

Grund zu Freude sind die Lockerungen nicht, findet Medizinjournalistin Christina Sartori: "Ich bin nicht überrascht von der Entscheidung, aber ich mache mir echt Sorgen." Sie fürchtet, dass durch die Regelung die Corona-Zahlen weiter steigen werden. Ein Inzidenzwert von 50 sei zu hoch: "Die Zahl des Tages wäre eine Inzidenz von 35 gewesen." Das wäre so niedrig, dass man ruhigen Gewissens lockern könnte.

Corona: Es fehlt an Testkapazitäten

Christina ist auch nicht zuversichtlich, was das Impfen und die Schnell- und Selbsttests angeht: "Durch das Impfen alleine werden wir die dritte Welle auf keinen Fall aufhalten." Für eine umfassende Teststrategie fehlten aber derzeit noch die Tests, es brauche noch eine Weile, bis es genügend Schnell- und Selbsttests gebe.

Anders als Selbsttests müssen Schnelltests von geschultem Personal durchgeführt werden. "Das hat man aber derzeit noch nicht", sagt Christina Sartori. Die Politik hätte sich bemühen können, Medizinstudierende, Ärztinnen und Ärzte für diese Aufgabe zu gewinnen, Erzieherinnen und Erzieher hätten Einweisungen bekommen können. "Doch das ist alles nicht geschehen."

"Nur über eine Teststrategie zu reden, hilft nicht. Die muss fertig sein, die muss stehen. Und zwar bevor Kitas, Schulen, Friseure und Baumärkte aufmachen."
Christina Sartori, Medizinjournalistin