Antigen-Schnelltests lassen sich leicht ablesen. Trotzdem brauchen wir Geduld. Denn das Sekret, das getestet wird, ist gut in Nase und Rachen versteckt, sagt der Virologe Marc Lütgehetmann.

Gesund oder nicht? Ansteckend oder nicht? Das sind Fragen, die Corona-Schnelltests unmittelbar klären könnten. Antigen-Tests können eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2, eine akute Covid-19-Erkrankung oder auch eine zurückliegende nachweisen. Bislang sind aussagekräftige Antigen-Schnelltests nur im medizinischen Bereich im Einsatz.

Sie sind eine Alternative zu den relativ komplizierten und kostspieligen PCR-Tests, für deren Durchführung aufwendige technische Verfahren nötig sind. Marc Lütgehetmann erwartet dennoch nicht, dass es Antigen-Schnelltests in nächster Zeit für den Hausgebrauch geben wird.

"Wir können froh sein, wenn die Tests so funktionieren, dass wir sie im medizinischen Bereich nutzen können."

Zwar lässt sich das Ergebnis ablesen, wie bei einem Schwangerschaftstest, einen Nasopharyngealabstrich jedoch könne man eben nicht einfach selber machen, sagt der Virologe, der am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg arbeitet.

Nasen-Rachen-Abstrich – keine leichte Übung

Nur mit dieser Prozedur lässt sich das Material für die Antigen-Schnelltests aus dem Körper holen. Dafür muss ein Tupfer recht tief in den Körper der Testperson gesteckt werden, um an Testmaterial zu kommen. Der Tupfer wird in den Rachen und beide Nasenlöcher der Testperson eingeführt. Marc Lütgehetmann beschreibt den Vorgang so: "Man muss mit einem Tupfer relativ tief in den Rachen, dann in die Nase und dann weit nach hinten gehen, dann ein bisschen drehen, weil da das Virus repliziert." Die Universitätsmedizin Mannheim hat ein Video von dem Verfahren online gestellt:

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Sobald es Antigen-Schnelltests gebe, bei denen Gurgelwasser oder Speichel getestet werde, könne er sich durchaus eine Heimanwendung vorstellen. Es werde sich mit der Zeit zeigen, ob auch mit dieser vereinfachten Materialentnahme zuverlässige Tests möglich sind.

Schnelltests mit Falsch-Positiv-Problem

Marc Lütgehetmann berichtet, dass am Universitätsklinikum Eppendorf erste Pakete mit Tests angekommen sind. Nun gelte es für das medizinische Personal damit Erfahrungen zu sammeln. Der Virologe weist darauf hin, dass statistisch bei 1000 Tests mit zwei bis drei falschen positiven Testergebnissen zu rechnen ist.

"Man wird sehen, wie sensitiv die sind, wie zuverlässig die Ergebnisse sind, wenn vielleicht dieser Abstrich nicht ganz so gut gemacht wird."

Ergänzung: Die Covid-19-Testverfahren werden laufend weiterentwickelt. So hat das österreichische Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz ein Schnelltest-Set zum Testen von Speichel bereits anerkannt. (Stand 25.09.2020)