Das neue Coronavirus breitet sich weiter aus. Das bekommen auch Unternehmen zu spüren. Weil Anleger dieser Firmen um ihre Rendite fürchten, gehen die Aktienkurse in den Keller. Steht eine neue Finanzkrise bevor?

Noch vor zehn Tagen herrschte an der Börse Euphorie. Der deutsche Leitindex DAX war auf Rekordhoch. Dann kam der Knick. Seit der vergangenen Woche zeigen die Kurven nun steil nach unten - an den europäischen Börsen, aber auch in den USA.

ARD-Börsenexperte Victor Gojdka erklärt: "Das ist wie ein Schalter gewesen: Kaum war das Virus in Italien, haben auf einmal viele Finanzer in Europa und den USA gemerkt: Es ist vor der Tür.“

Druck auf Lieferketten und Nachfrage

Der Grund: Die Anleger fürchten, dass die Unternehmen wegen der Ausbreitung des Corona-Virus weniger Umsatz machen werden. Für die Besitzer von Aktien bedeutet das dann Einbußen bei der Dividende.

Tatsächlich bringt das Corona-Virus viele Unternehmen in Schwierigkeiten. Zum einen, weil die Nachfrage einbricht, wenn viele Menschen zuhause und Läden geschlossen bleiben. Wenn in China weite Teile des öffentlichen Lebens eingeschränkt werden, macht sich das für deutsche Unternehmen besonders bemerkbar, weil ein großer Teil der deutschen Exporte in die Volksrepublik geht. Der Sporthersteller Adidas, so berichtet Gojdka, habe in den vergangenen Wochen in China 85 Prozent weniger Umsatz gemacht.

"Manche Autobauer sollen sogar versucht haben, Autoteile in Koffern nach Europa zu bringen.“
Victor Gojdka, ARD-Börsenexperte

Das zweite Problem sind die internationalen Lieferketten. Ein Auto, das in Deutschland hergestellt wird, besteht aus Einzelteilen aus der ganzen Welt. Wenn solche Teile nicht mehr geliefert werden können, weil etwa in China die Produktion stillsteht, dann kann das die gesamte Produktion aufhalten.
"Manche Autobauer sollen sogar versucht haben, Autoteile in Koffern nach Europa zu bringen“, weiß Victor Gojdka.

Dass die Aktienkurse so schnell und stark sinken, hat aber nicht nur mit den realen Auswirkungen des Corona-Virus zu tun. Gojdka formuliert es so: "An der Börse wird die Zukunft gehandelt.“

"Wir haben keine neue Finanzkrise und wir haben – zumindest noch – keine neue Wirtschaftskrise.“
Victor Gojdka, ARD-Börsenexperte

Die Börse spiegelt die Erwartungen der Anleger wieder, wie viel Gewinn ein Unternehmen in der Zukunft machen wird. Das hänge natürlich unter anderem an dem Corona-Virus, an den Tweets von Donald Trump und an den Brexit-Verhandlungen. Insofern könne die Börse schon etwas darüber erzählen, was in der Welt passiert. Oft fallen die Reaktionen dort aber übertrieben aus. "Börse ist eben auch Psychologie. Jetzt haben viele Panik. Da sind die Erwartungen dann sehr schwarz“, so Gojdka.

Er ist sicher: "Wir haben keine neue Finanzkrise und wir haben – zumindest noch – keine neue Wirtschaftskrise.“ Interessant wird es nach Einschätzung von Gojdka im April und Mai. Da legen dann viele Unternehmen ihre Geschäftszahlen vor. Und dann wird sich zeigen, wie stark die wirtschaftlichen Auswirkungen des Virus‘ wirklich waren.