In Berlin ist ein bislang einmaliges Projekt entstanden: Dort nehmen fünf Flüchtlinge an einem Ausbildungsprojekt teil und bauen Möbel. Das Besondere daran: Sie verwenden auch Holz, das von Flüchtlingsbooten stammt. Eigentlich eine tolle Möglichkeit der Integration, doch die Angst abgeschoben zu werden sitzt ihnen täglich im Nacken.

Flüchtlinge in Deutschland dürfen eigentlich nicht arbeiten - so will es das geltende Recht. Ein Zustand, der von vielen kritisiert wird. Das Projekt "Cucula" in Berlin will das ändern - und verschafft fünf jungen Männern aus West-Afrika, die über Lampedusa bis nach Deutschland geflohen sind, konkrete Arbeit. In einer Werkstatt bauen Malik, Ali, Maiga, Saidou und Moussa Stühle nach der Vorlage eines italienischen Designers. Der Baustoff: rohes Holz. Zum Teil stammt es von Schiffswracks, die vor Lampedusa gesunken sind.

"Cucula ist für mich Familie. Wir sind zusammen, arbeiten zusammen, lernen deutsch zusammen. Ohne Cucula? Das wäre ein großes Problem. Cucula ist sehr sehr wichtig für mich"
Malik, 21jähriger Flüchtling aus Niger

Das Wort “cucula” stammt aus der Hausa-Sprache aus West-Zentralafrika und bedeutet "etwas gemeinsam machen", aber auch "aufeinander aufpassen". Ziel von Cucula ist es, eine Firma zu gründen, die sich auf Dauer selbst trägt.

"Die ursprüngliche Idee war es Möbel für den Eigenbedarf zu bauen, doch schnell wurde klar, die Leute brauchen keine Möbel, wenn sie nicht wissen, ob sie eine Woche später noch hier sind"
Jessy Medernach, Sozialpädagogin

Zur Zeit versuchen die Initiatoren mithilfe von Crowdfunding genug Geld zu sammeln, um den fünf Asylbewerbern eine Ausbildung zu finanzieren. Allerdings gibt es viele bürokratische Hürden: Die Ausbildung darf nicht Ausbildung heißen, weil auch das als Arbeit gilt - und eben für Asylbewerber nach geltendem Recht nicht erlaubt ist. Im Leben mit der ständigen Angst vor der Abschiebung istist Cucula für die Flüchtlinge die einzige Hoffnung und Vision.

"Die Idee ist jetzt über die Start-Next-Kampagne fünf Ausbildungsstipendien zu finanzieren, damit zur Ausländerbehörde zu gehen und einen Aufenthalt zu beantragen, um hier diese Ausbildung zu machen"
Jessy Medernach, Sozialpädagogin
Das Team von Cucula
© cucula | Verena Bruening
Das Team von Cucula

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