Das kristalline Methamphetamin - kurz Crystal Meth - macht erst euphorisch, dann depressiv. Die Abhängigkeit von der synthetischen Droge tritt schnell ein, ein Entzug dauert lange und die Folgeschäden für Gehirn und Psyche sind erheblich.

Crystal Meth wird geraucht, geschnupft oder injiziert. Wird es über die Nase aufgenommen, sagt der Suchtmediziner Roland Härtel-Petri, gelangt es direkt ins Gehrin. Der Konsument erfährt sofort ein Glücksgefühl, ist wach und aktiv und egal was er tut, es macht ihm Spaß. Diese anfängliche Euphorie, so Roland Härtel-Petri, berge die größte Suchtgefahr, denn dieses Gefühl wollen die Meth-Konsumenten immer wieder haben.

Folge: Depressionen

Doch sobald die Droge nicht mehr wirkt, fallen sie in ein Loch, werden depressiv, motivationslos und haben Probleme, den Alltag zu bewältigen. Dieses Gefühl verschwindet nach ein paar Tagen. Wird Crystal Meth in regelmäßigen Abständen eingenommen, werden die Symptome chronisch. Die Sucht selbst nehmen die Abhängigen erst nach ein bis zwei Jahren wahr, während das Umfeld sehr viel schneller registriert, dass eine Abhängigkeit besteht.

"Ganz viele meiner Patienten sagen: Im Grunde genommen, wollte ich immer wieder dieses Gefühl haben."
Roland Härtel-Petri, Suchtmediziner

Nach einem monatelangen Konsum von Crystal Meth kommt es neben den psychischen Schäden auch zu körperlichen Folgen wie Zahnausfall, Gewichtsverlust, Hautausschlag oder Nierenschäden. Am gravierendsten ist die Hirnschädigung.

"Das bedeutet, dass das Gehirn sehr lange braucht, um sich wieder zu regenerieren. Länger noch als bei Alkohol, Valium, Schlaftabletten und sogar länger als bei den Opiaten."
Roland Härtel-Petri, Suchtmediziner

Der Meth-Abhängige hat ständig das Gefühl, nicht leistungsfähig zu sein, "sie genügen ihren eigenen Ansprüchen nicht mehr, als Vater oder Mutter zu funktionieren", erklärt Roland Härtel-Petri. "Die schaffen es nicht, die banalen Anforderungen des Alltags zu bewältigen," sagt der Mediziner, der selbst 800 Crystal-Meth-Abhängige behandelt hat.

Lange Regenerationsphase

In der Regel beginnt der Entzug stationär in einem Krankenhaus, nach einigen Wochen schließen sich Reha-Maßnahmen an, diese enden nach rund einem halben Jahr. Die Regeneration des Gehirns kann aber bis zu anderthalb Jahren dauern.

"Ein halbes Jahr nach der Therapie haben sie eine erhöhte Rückfallgefahr."
Roland Härtel-Petri, Suchtmediziner

Um die labile Phase zu überstehen, brauchen die Patienten ein Netzwerk aus Therapeuten, Selbsthilfegruppen, Freunden und Familie, die sie bestätigen und stützen, damit sie wissen, "nicht ich bin ein faules, willensschwaches Individuum, sondern diese Scheißdroge hat das in meinem Hirn gemacht," erklärt Roland Härtel-Petri.

Über seine Erfahrungen mit Crystal-Meth-Abhängigen und die Auswirkungen der Droge hat Roland Härtel-Petri das Buch "Crystal Meth: Wie eine Droge unser Land überschwemmt" geschrieben. Laut Statistik des Bundeskriminalamts stieg die Zahl der Erstkonsumenten von Crystal Meth 2013 um 7 Prozent auf 2746 an.