Eine jahrzehntelange Feindschaft kann überwunden, daran glaubt der Verein "Cuisine sans frontières". In Kenia eröffnet er Treffpunkte, an denen Menschen aus verfeindeten Regionen an einen Tisch kommen, um gemeinsam zu kochen und zu essen.

Die Initative Cuisine sans frontières (Csf) nennt es "Projekte der Esskultur". In vielen Ländern schaffen sie es, auf diese Weise Menschen an einem Ort zu versammeln, die sonst nicht miteinander reden würden. Das verbindende Element ist das gemeinsame Kochen. Anschließend setzen sich alle Beteiligten zusammen und essen die verschiedenen Gerichte, die sie zubereitet haben. Bei aufgelockerter Atmosphäre lernen sich die Teilnehmer kennen. Dabei gelingt es ihnen oft, Vorurteile zu überwinden.

Ehrenamtlich Kochen in Kenia

Sebastian Büchler ist Csf-Vorstandsmitglied. Der 35-Jährige wohnt in Zürich und ist gelernter Koch. Er arbeitet ehrenamtlich für die Cuisine sans frontières und war schon für unterschiedliche Csf-Projekte in Georgien, der Schweiz, dem Kongo und in Kenia im Einsatz.

"Unser Zentrum in Kenia befindet sich zwischen zwei verfeindeten Stämmen im Grenzgebiet. In einer neutralen Zone. Dort haben wir ein Restaurant und fünf kleine Häuschen, in denen man übernachten kann."

Inzwischen haben sich dort auch weitere Projekte angesiedelt. Zum Beispiel betreibt eine andere NGO ein Bienen-Projekt, das von europäischen Geldern finanziert wird. Und ein Kamel-Projekt, um den Menschen das Kamel als Nutztier näher zu bringen.

Feindschaft überwinden

Die beiden Stämme der Turkana und Pokot sind schon sehr lange verfeindet, erzählt Sebastian. Viele wissen selbst nicht mehr so genau, warum sie eigentlich verfeindet sind. Eines der grundlegenden Probleme ist, dass das Weideland knapp wird. Auch die Klimaveränderung hat einen großen Einfluss. Durch die Treffen und das gemeinsame Essen versucht die Cuisine sans frontières, zwischen den Stämmen zu vermitteln.

"Hauptsächlich kochen wir Dinge, die dort üblich sind, zum Beispiel Ugali, das ist eine Art Maisbrei. Oder Bohnen-Mais-Eintopf mit Kartoffeln."

Sebastian wollte nicht sein ganzes Leben lang in der Küche stehen, hat er uns erzählt. Deshalb hat er das Abitur nachgeholt. Im Moment studiert er Politikwissenschaften. Nach dem Studium kann er sich vorstellen, hauptamtlich für eine NGO zu arbeiten.

"Auch Leute, die sich eigentlich nicht mögen, haben etwas Verbindendes, wenn sie zusammen an einem Tisch sitzen. Es ist ein erster Schritt, um Differenzen abzubauen."