In Deutschland hat das Verhalten von FDP-Politiker Rainer Brüderle unter dem Hashtag Aufschrei eine Sexismus-Debatte losgetreten. In Frankreich sorgt ein Vorfall von Grünenpolitiker Denis Baupin für eine ähnliche Diskussion im Netz. Das Hashtag der Debatte #CulotteGate.

Der Vorfall hat sich bereits vor viereinhalb Jahren ereignet: Der Grünenpolitiker und Vizepräsident der Nationalversammlung, Denis Baupin, soll die Sprecherin der französischen Grünen bei einem Parteitreffen auf dem Weg zur Toilette an die Wand gedrückt, sie an der Brust festgehalten und versucht haben, sie zu küssen. Der Politiker ist offenbar bekannt für so ein Verhalten, in der Partei wurde darüber allerdings jahrelang geschwiegen.

Zu viel Heuchelei

Der Fall ist an die Öffentlichkeit gekommen, weil Denis Baupin sich in diesem Jahr zum Weltfrauentag am 8. März die Lippen rot geschminkt hat. Zusammen mit anderen Politikern posierte er auf einem Foto unter dem Motto "Gegen Gewalt gegen Frauen". Der Aufruf der Politiker: "Legt Lippenstift auf, um gegen sexuelle Belästigung zu protestieren."

So viel Heuchelei war dann doch zu viel. Anfang der Woche lancierten über 500 Frauen und Männer eine Petition gegen sexuelle Belästigung von Politikern und forderten das "Ende der Straffreiheit". Das ist allerdings nicht das erste Mal, dass sich in Frankreich derartiger Protest regt. Vor fast einem Jahr haben mehrere Dutzend französische Journalistinnen ein Manifest veröffentlicht, in dem sie den "herrschenden Sexismus" verurteilten. Die Dominique-Strauss-Kahn-Affäre habe leider keine Wende gebracht.

#CulotteGate und die Konsequenzen

Auch im Netz wird heftig diskutiert. Allerdings nicht nur über den Fall Baupin. Unter dem Hashtag #CulotteGate geht es aktuell um den amtierenden Finanzminister Michel Sapin. In einem gerade erschienenen Buch wird dem Minister vorgeworfen, Journalistinnen gegenüber anzügliche Bemerkungen gemacht zu haben. Beim WWF in Davos soll er zudem ans Gummibündchen des Slips einer Journalistin gefasst haben.

Sapin hatte den Vorfall zunächst bestritten, später aber "unangebrachtes Verhalten" eingeräumt. Er bedauere den Vorfall, den er allerdings etwas anders in Erinnerung habe. Der Grünenpolitiker Baupin ist inzwischen von seinem Amt als Vizepräsident der Nationalversammlung zurückgetreten. Er wolle mehr Zeit haben, um sich besser gegen die Vorwürfe verteidigen zu können.