Woher das T-Shirt aus dem Laden kommt, ist oft gar nicht so leicht zu sagen. Denn die meisten Unternehmen haben für die Einzelteile eines Produkts viele unterschiedliche Zulieferer. Egal ob in der Herstellung von Autos, Kosmetika oder Kleidung – Lieferketten nachzuvollziehen ist auch für die Unternehmen schwer. Ändern soll das nun die Blockchain-Technologie, die eigentlich für Kryptowährungen benutzt wird.

Blockchain – den Begriff kennen viele wahrscheinlich nur in Zusammenhang mit Kryptowährungen wie dem Bitcoin. Dabei handelt es sich um Blöcke von Datensätzen, die stetig erweitert werden können und miteinander verkettet sind. Bei Kryptowährungen werden so die Transaktionen zusammen mit einem Zeitstempel gespeichert, so dass Fälschungen nicht möglich sind. Genau diese Technologie wollen Unternehmen jetzt nutzen, um ihre Lieferketten nachzuvollziehen.

"Die Idee ist, dass Rohstoffe am Anfang der Lieferkette markiert werden, zum Beispiel mit einem QR-Code. Dieser ist im Hintergrund mit der Blockchain verknüpft."
Katja Scherer, Wirtschaftsjournalistin

Das funktioniert dann beispielsweise bei einem Bio-Schokoaufstrich so: Das Unternehmen kauft Nüsse bei einem Nussbauern, der wiederum jeden Sack Nüsse mit einem QR-Code versieht. Dieser ist dann mit der Blockchain-Software verknüpft, erklärt Wirtschaftsjournalistin Katja Scherer. Zusätzlich kann der Landwirt dann mehrere Daten eingeben: Gewicht, Bio-Qualität, Herkunft und so weiter.

Wenn die Nuss-Säcke zum nächsten Zulieferer, etwa einer Mühle kommen, kann dieser die QR-Codes einscannen, auf die Informationen zugreifen und schließlich die eigenen Daten ebenfalls eintragen. Das geht so lange bis das Produkt schließlich in Deutschland ankommt und fertig ist.

Interesse in Technologie wächst

Zwar ist es für Unternehmen bisher eher die Ausnahme, mit Blockchain ihre Lieferketten zu trocken, doch immer mehr Investoren und Kunden fordern die Transparenz von Produkten. Ab dem Jahr 2023 müssen Unternehmen sogar für ihre Lieferkette haften – deshalb steigt das Interesse für die neue Technologie, erklärt Katja Scherer. Die Technologie ist außerdem in den letzten Jahren besser und in der Anwendung einfacher geworden.

Daten können nicht mehr verändert werden

Der große Vorteil der Blockchain: Was einmal eingetragen wurde, kann nachträglich nicht einfach mehr geändert werden. Das garantiert zum Beispiel, dass Zulieferer keine Lieferscheine mehr fälschen können, also etwa aus normalen Nüssen Bio-Nüsse machen. Außerdem sorgt die Blockchain dafür, dass Unternehmen eindeutig identifiziert werden können, selbst dann, wenn kein Name angegeben wird, erklärt die Expertin.

"Die Daten sind in der Blockchain nicht anonymisiert, sondern pseudonymisiert. Das bedeutet, dass sie über ihre digitale Identitäten eindeutig identifizierbar bleiben."
Christoph Haupenthal, Gründer von AFTS

Denn: Die Daten sind nicht anonym, sondern pseudonym, erklärt Christoph Haupenthal von dem Unternehmen AFTS. Das bedeutet, dass ein Unternehmen zwar nicht mit seinem Namen in der Blockchain verbucht wird, sondern zum Beispiel mit einem Zifferncode. Der Grund dafür ist, dass viele Zulieferer nicht alle ihre Geschäftspartner für jeden einsehbar machen wollen.

Nur Smartphone notwendig

Kritik gibt es an der Technologie aber auch. Gerade Zulieferer in ärmeren Regionen stellen die technischen Anforderungen vor Probleme. Christoph Haupenthal allerdings meint, dass für die Technologie im Grunde nur ein Smartphone notwendig ist, um den QR-Code zu scannen – und das sei auch in Schwellenländern inzwischen weit verbreitet.

Das größte Problem sei für die Unternehmen eher die Organisation, meint der Blockchain-Experte. Dafür müssen nämlich zunächst alle Zulieferer erreicht und dann überzeugt werden.

"Alle Probleme löst die Blockchain aber nicht. Denn es können immer noch falsche Daten eingespeist werden – auch wenn sie später nicht mehr geändert werden können."
Katja Scherer, Wirtschaftsjournalistin

In puncto Nachhaltigkeit kann die Blockchain nur bedingt helfen. Sie sorgt zunächst lediglich für mehr Transparenz, so Katja Scherer. Alle Probleme löst sie aber nicht. Schließlich können Zulieferer immer noch falsche Daten eingeben – und Bio-Qualität vorgaukeln, wo keine drinsteckt. Deshalb muss klar sein, wer vor Ort für das System berechtigt ist. Außerdem soll es externe Prüfer geben, die diese Lieferketten kontrollieren sollen.