Es ist noch immer ein Tabu: sexualisierte Gewalt im Sport. Nur eine Minderheit von Sportvereinen hat Ansprechpartner dafür oder bietet regelmäßig Präventionsschulungen an. In dieser Sendung kommen Betroffene zu Wort, die Übergriffe im Judoverein oder während einer Schwimmfreizeit erlebt haben.

Jonathan (Name geändert) hat als Jugendlicher von Gleichaltrigen im Bett Wärmecreme an seinen Penis geschmiert bekommen. Dieser Übergriff hat ihn tief beschämt. Es gab niemanden, dem er sich hätte anvertrauen können. Das Erlebnis hat ihn bis ins Erwachsenenalter geprägt.

"Da kommt so ein Grapscher und ich bin gelähmt."
Sabine (Name geändert) über die Lähmung nach einem Übergriff durch einen Judotrainer

Sabine (Name geändert) hat als Erwachsene im Judoverein sexualisierte Gewalt erlebt, "zufällige" Berührungen durch den Trainer zwischen den Beinen oder an die Brust. Hilfe hat sie unter anderem beim Voice-Projekt der EU bekommen. Warum sie trotzdem weiter zu dem Judoverein geht, wo die Vorfälle passiert sind, hat sie unserem Reporter Lovis Binder erzählt.

Aufarbeitung beginnt gerade

Sabine Andresen und ihr Team wollen Licht ins Dunkel bringen. Andresen leitet die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs (UKASK),
die Betroffene aufruft, sich zu melden und von erlebter sexualisierter Gewalt im Schul-, Freizeit und Leistungssport zu berichten. Betroffene Menschen anzuhören, soll helfen, die Dimension des Problems zu erfassen und bessere Schutz- und Präventionskonzepte zu erarbeiten. Im Gespräch mit Deutschlandfunk Nova sagte sie: "Jede einzelne Geschichte überrascht einen erst einmal, weil so viele grausame Details deutlich werden."