"Delfinarium" von Michael Weins erzählt Daniels Suche nach einer wahren Geschichte, vielleicht seiner eigenen.

Als Daniel auf die Anzeige von Henry stößt, in der die Begleitung einer Frau für Zoobesuche gesucht wird, löst sich Daniel aus seiner Starre. In den Zoo gehen - das klingt gut, das ist keine Arbeit, eher bezahlte Freizeit. Dass die Begegnung mit Henrys Frau, mit Susann, sein Leben verändern wird, ahnt Daniel nicht.

Henry trinkt Dosenbier und stellt nicht viele Fragen. Er erzählt, dass seine Frau Susann bei der Geburt des gemeinsamen Sohnes Manuel sieben Minuten lang im Koma gelegen hat. Als sie wieder aufgewacht sei, wäre sie aber eigentlich noch weg gewesen. Sie bewegte sich nicht, und sie sagte nichts. Dissoziativer Stupor und dissoziative Amnesie diagnostizierten die Ärzte.

Als Daniel Henrys Frau Susann das erste Mal sieht, haut es ihn um. Susann ist gleichzeitig weg und da. Sie strahlt und wirkt ganz leer. Sie ist unfassbar schön, 32 und liebt Delfine.

Susann sagt etwas

Daniel und Susann sitzen auf der Zuschauertribüne des Delfinariums im Zoo. Daniel interessiert sich eigentlich nicht so für Delfine. Aber heute geht es nicht um ihn. Daniel sieht Susann von der Seite an. Aber er ist Luft für sie. Sie hat sich nach vorn gebeugt. Ihre Augen leuchten. Und dann sieht sie ihn doch einmal an, glücklich und gelöst. Und sie sagt: "Schön."

Hat sie das wirklich gesagt? Und hat Daniel es wirklich gehört? Susann spricht nicht. Und wenn doch, müsste Daniel das eigentlich sofort ihrem Ehemann und den behandelnden Ärzten melden. Daniel beschließt, niemandem davon zu erzählen. Höchstens Petra, Pastorentochter. Mit ihr trifft er sich manchmal.

Der Beginn einer Schnitzeljagd

Als hätte Daniel mit dieser Entscheidung einen kleinen Stein gelockert, häufen sich von diesem Moment an Ungereimtheiten und seltsame Begegnungen. Plötzlich steckt ihm ein älterer Herr in einem braunen Anzug eine Visitenkarte zu und ermahnt ihn, ihn anzurufen, wenn er sich für das Geheimnis interessiere.

Es taucht ein weiterer Mann auf und behauptet, Susann sei seine entführte Frau Marie. Noch am selben Tag klemmt ein Zettel hinter dem Scheibenwischer von Daniels Auto. Da steht: Sie ist nicht, was sie scheint. Jemand spielt Schnitzeljagd mit Daniel. Und der ahnt: Er wird sich darauf einlassen. Er wird das Geheimnis lüften.

"Delfinarium" von Michael Weins