• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Am 20. September ist Weltkindertag. Deshalb stellen wir euch heute ein Kinderbuch vor, das auf jede Leseliste gehört – völlig egal, wie alt ihr seid: "Die Rote Zora und ihre Bande" von Kurt Held. Der Kinderbuchklassiker erschien 1941, also vor genau 80 Jahren. Aus diesem Grund erscheint im Jahr 2021 eine Sonderausgabe.

Zora ist ein Mädchen, das eine Bande aus Jungs anführt. Fünf Kinder kämpfen in der Geschichte ums Überleben, um Freundschaft, Menschlichkeit und Gerechtigkeit in der Welt. Die Welt ist nicht sehr groß, von außen betrachtet. Aber es ist die einzige, die sie kennen – und die wollen sie behalten. Das Buch handelt von einer Zwei-Klassengesellschaft, von arm und reich, von Macht und Machtmissbrauch. Es erzählt von Zora, Nicola, Pavle, Duro und Branko, die im Turm einer alten Burg hoch über der Stadt hausen und sich von den Erwachsenen weder verbiegen noch einsperren lassen. Gemeinsam versuchen sie, über die Runden zu kommen. Einfach ist das nicht.

Klassiker der Kinderbuchliteratur

Vor zwei Tagen ist Brankos Mutter gestorben, an Schwindsucht, sagen die Leute. Und sein Vater? Der ist der beste Geiger der Welt – und irgendwo unterwegs auf dieser Welt, nur nicht hier. Nun lebt Branko bei seiner Großmutter Kata – wider Willen. "Morgen früh scherst du dich wieder in die Stadt." Wie eine Hexe hat sie gekrächzt und gehustet und gelacht. Und niemals in seinem Leben hat Branko eine größere Nase als ihre gesehen. Die alte Kata lebt mit dem Kater, zwei Hühnern, einem Raben und einem riesigen sprechenden Papagei außerhalb des Dorfs, in einer Hütte, die direkt an einem Felsen klebt. Wovon sie lebt, weiß Branko nicht. Aber dass sie das Wenige, das sie hat, nicht mit ihm teilen will, sagt sie ihm auf den Kopf zu.

Brankos Magen knurrt immer lauter. Da rutscht dem Händler Radic ein kleiner Fisch vom Tisch und fällt in den Staub. Branko ergreift seine Chance: Er hebt den Fisch auf und versteckt ihn unter seinem Hemd. Plötzlich steht der reiche Karaman hinter ihm, greift ihm hart in den Nacken und ruft den Wachmann Begovic hinzu, damit der Branko festnimmt und einsperrt. Das gibt einen ganz schönen Tumult auf dem Marktplatz. Alle reden durcheinander. Die einen nennen Branko einen Spitzbuben, die anderen haben Mitleid mit ihm. Branko schämt sich.

Retterin in der Not

Und dann taucht plötzlich ein rothaariges Mädchen auf und erklärt Begovic ohne ein Zittern in der Stimme, dass Branko den Fisch nicht gestohlen, sondern gefunden hat. Branko ist beeindruckt von ihr. Sie strahlt, nicht nur wegen der roten Haare. Ihre bernsteinfarbenen Augen blitzen mutig. Sie sieht sehr stark aus. Begovic nimmt ihn trotzdem mit auf die Wache und sperrt ihn in eine Zelle. Das rothaarige Mädchen aber ist so schnell verschwunden, wie es aufgetaucht war.

Alle kennen es – alle bis auf Branko. Sie sei die Anführerin einer Bande von wilden Waisenkindern, erfährt er, keine Obst-Plantage sei vor ihnen sicher. Zora heißt sie. Die rote Zora. Und wenn ein Kind in Not ist, dann ist die rote Zora zur Stelle. Und wenn es sein muss, befreit sie dieses Kind in Not sogar aus einer Zelle mit einem Gitter vor dem Fenster.

Das Buch: "Die Rote Zora und ihre Bande" von Kurt Held, Sonderausgabe mit einem Vorwort von Kirsten Boie, erschienen im Verlag Fischer Sauerländer, 526 Seiten, gebundene Ausgabe/Hardcover: 14 Euro, Taschenbuch: 10 Euro. E-Book: 9,99 Euro

Der Autor: Kurt Held, 1897 in Jena geboren, war verheiratet mit der bekannten Kinderbuchautorin Lisa Tetzner. Er starb am 09.12.1959. "Die rote Zora und ihre Bande" ist sein Hauptwerk.

"Die rote Zora" gibt es unter anderem auch als Kinoverfilmung (2009), Serie (1979) und Theaterstück (2019).

Übrigens: Zora und ihre Bande hat es vielleicht wirklich gegeben – und zwar im kroatischen Küstenstädtchen Senj. Jedenfalls erzählte Kurt Held das laut Tagesspiegel einmal in einem Interview.