Der Debütroman von Anne Reinecke "Leinsee" führt uns zurück in den Schoß unserer Eltern und fragt, ob das wirklich unsere Heimat ist oder nicht. 

Es ist Ende April, ein schöner Tag. Fast Sommer. Karl sitzt auf dem Steg zum Leinsee, am Ende der Wiese, die hinter der Villa seiner Eltern liegt. In der Villa hängt noch ein Stück orangefarbenes Baumarktseil, von dem sie seinen Vater "abgeschnitten" haben. Das andere Ende des Seils hatte Karl nicht sehen können, das hängt vermutlich noch am Hals seines Vaters...

"Karl würde gern etwas kaputt machen. Überhaupt: etwas machen. Sein Vater liegt in irgendeiner Kühltruhe, seine Mutter liegt im Krankenhaus, nicht ansprechbar."
Lydia Herms, Deutschlandfunk Nova

Anne Reineckes Roman "Leinsee" beginnt mit schlechten Nachrichten für die Hauptfigur Karl: der Vater tot, die Mutter krank. Karl ist 26 Jahre alt und Künstler - begabt, aber kaum bekannt. Seine Eltern sind auch Künstler, allerdings weltberühmt. 

Als er noch ein Kind war, steckten sie ihn in ein Internat. Damit er nicht unter ihrem Ruhm leidet, sagten sie. Aber er hat gelitten, unter der Trennung von seinen Eltern. Weil er damit nicht klarkam, hat er einfach irgendwann aufgehört, sich bei ihnen zu melden - und seine Eltern schienen ihn nicht vermisst zu haben.

Das Elternhaus ist nicht Heimat

Die Villa seiner Eltern ist für Karl nicht Zuhause. Er will nicht dorthin zurück, aber er muss. Dort angekommen passiert etwas Komisches: Im Garten der Eltern trifft er ein achtjähriges Mädchen. 

"Während diese neuen Tatsachen auf Karl einprasseln, und während ihn alle nur noch nerven, beruhigt ihn nur ein Anblick: der des Mädchens."
Lydia Herms, Deutschlandfunk Nova

Tanja und er werden so was wie ziemlich beste Freunde. Plötzlich will Karl nicht mehr weg. Wenn es nach ihm ginge, könnte es ewig so weitergehen. Aber es geht nicht nach ihm…

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"Leinsee" von Anne Reinecke, erschienen bei Diogenes, 362 Seiten, 2018.

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