Der Walhai ist der größte Fisch der Erde. Auf seinen Wanderungen durch die Weltmeere legt er unglaubliche Strecken zurück. Dennoch ist er bisher wenig erforscht. Deshalb statteten vor etwa drei Jahren Wissenschaftler des Smithsonian Tropical Research Institutes in Panama-Stadt insgesamt 46 Walhaie mit Sendern aus und verfolgten den Weg der Tiere durch die Weltmeere.

Mit einer Länge von bis zu 14 Metern und einem Gewicht von bis zu 12 Tonnen, ist der Walhai der größte und schwerste Fisch der Welt. Walhaie bevorzugen eine warme Wassertemperatur und sind fast überall auf der Welt in den warmen, tropischen und subtropischen Meeren anzutreffen. Allerdings sind Walhaie selten. Trotz seiner gewaltigen Größe ist ein Walhai für uns Menschen völlig ungefährlich. 

"Der Walhai ist ein total ungefährlicher Zeitgenosse."
Mario Ludwig über die Gefährlichkeit von Walhaien

Walhaie ernähren sich von Plankton. Dazu saugen die Fische mit ihrem Maul und ihrer starken Schlundmuskulatur bis zu 6.000 Liter Wasser pro Stunde an und pressen es durch ihre Kiemen. Diese sind mit einem speziellen Filterapparat versehen, an dem ihre Hauptnahrung Plankton hängen bleibt. Ab und an peppen Walhaie allerdings auch noch ihre Nahrung mit dem Verzehr von Fischen von bis zu einem Meter Länge auf. Dann stehen Makrelen oder etwa kleine Thunfische auf ihrem Speiseplan. Platz dafür ist genug, denn die Maulgröße des Walhais ist so riesig, dass ein Kleinwagen dort reinfahren könnte.

Große Distanzen in gemächlichem Tempo

Erste Ergebnisse des Projekts des Smithsonian Tropical Research Institutes zeigen, dass Walhaie ständig wandern und dabei unglaubliche Distanzen zurücklegen. Am längsten konnte ein Weibchen namens "Anne" per Sender verfolgt werden. Anne war insgesamt 841 Tage unterwegs und legte dabei unglaubliche 20.142 Kilometer zurück. Bei dem Tracking von Anne hörten die Wissenschaftler allerdings viele Tage nichts von Anne. Denn der Sender kann nur mit dem Satelliten kommunizieren, wenn Anne nahe an der Oberfläche schwimmt. Die Beobachtung legt also nahe, dass Walhai Anne meist in größeren Tiefen unterwegs war. Und nach ersten Einschätzungen können Walhaie bis zu 2.000 Meter tief tauchen. Unterwegs sind die Walhaie in einem eher gemütlichen Tempo. Das hat anatomische Gründe.  Denn dank ihrer gewaltigen Größe und Masse bringen es Walhaie auf eine Spitzengeschwindigkeit von nur fünf Kilometern in der Stunde.

"Walhaie haben eine Spitzengeschwindigkeit von gerade mal fünf Kilometern in der Stunde."
Mario Ludwig über die "Reisegeschwindigkeit" der Walhaie

Aus welchen Gründen Walhaie überhaupt die Strapazen der langen Wanderungen auf sich nehmen, ist noch nicht endgültig geklärt. Vermutlich befinden sie sich auf der Suche nach Gewässern, die zu bestimmten Jahreszeiten besonders reich an Plankton sind und ziehen dann zur nächsten "Futterquelle" weiter.  Zudem könnten die Wanderungen auch etwas mit dem Fortpflanzungsverhalten der Walhaie zu tun haben. Genuntersuchungen haben nämlich gezeigt, dass manchmal auch weit auseinanderlebende Walhaie durchaus eng miteinander verwandt sind.  

Der Walhai zählt zu den bedrohten Arten

Walhaie sind weltweit geschützt, dennoch werden sie immer noch von Fischern als vermeintlich leichte Beute gejagt. Wegen ihres Fleisches und ihrer Flossen werden sie dann zur Zutat der in Asien so beliebten Haifischflossensuppe. Experten schätzen, dass der weltweite Walhaibestand in den letzten 75 Jahren rund um die Hälfte zurückgegangen ist. Der Walhai wurde deshalb von der IUCN im Jahr 2016 auf die Rote Liste der bedrohten Arten gesetzt und als "stark gefährdet" eingestuft. Mit den Informationen über die Lebensgewohnheiten und die Wanderouten der Tiere, die man aus dem Wal-Beobachtungsprojekt zu erhalten hofft, möchten die Forscher die Walhaie zukünftig besser schützen.

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