In manchen lauen Sommernächten können wir mit etwas Glück Glühwürmchen bei der Arbeit beobachten. Ihr grünliches Licht soll Partner oder Beute anlocken und ist so effizient wie zwanzig Glühbirnen.

Wenn es ein Artname schafft, ein Tier völlig falsch zu beschreiben, dann ist es die Bezeichnung Glühwürmchen. Denn dabei handelt es sich nicht um einen Wurm, sondern um einen Käfer. Außerdem entsteht das Licht nicht durch eine Glut, also durch den Temperaturanstieg des Glühwürmchens, sondern durch eine chemische Reaktion.

Im biologischen Sinne ist es deshalb besser, vom Leuchtkäfer zu sprechen, von dem es in Deutschland drei unterschiedliche Arten gibt. Wie das Leuchten aber ganz genau entsteht, hat die Wissenschaft noch nicht herausgefunden.

Leuchtzellen lassen Glühbirnen vor Neid erblassen

Bisher ist bekannt, dass in speziellen Leuchtzellen im Hinterleib des Käfers der Leuchtstoff Luciferin durch den Einsatz des Enzyms Luciferase mithilfe von Sauerstoff umgewandelt wird. Bei diesem Prozess, der als Biolumineszenz bezeichnet wird, entsteht Energie in Form des typischen grünlichen Lichts. Und das extrem effizient. Die Lichtausbeute der Leuchtkäfer beträgt nahezu 100 Prozent.

Im Vergleich dazu arbeitet eine Glühbirne zwanzigmal schlechter. Nur 5 Prozent des Stroms kann sie in Licht umwandeln, während der Rest als Wärme verloren geht.

Leuchtkäfer
© dpa
Langzeitbelichtung von Leuchtkäfern im Wuhan Jiufeng forest zoo in China

Aber die Raffinesse des Leuchtvorgangs beginnt schon bei den eigentlichen Leuchtorganen, die, wie bei einer Taschenlampe, aus drei Teilen bestehen:

  • Reflektorschicht, die eine Lichtabstrahlung ins Innere des Körpers verhindert und sehr viele Salzkristalle enthält, damit sich das Licht darin spiegelt und dadurch wieder zurückgestrahlt wird
  • Leuchtzellen mit Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle, die für ausreichend Energie sorgen
  • Durchsichtige Haut an der Außenseite der Leuchtorgane, die dem Glas einer Taschenlampe entspricht

Jede Art flirtet mit eigener Lichtshow

Die Lichtsignale der Leuchtkäfer dienen bei manchen Arten der Partnerfindung. Manchmal haben nur die Weibchen Leuchtorgane, bei anderen Arten können beide Geschlechter blinken. Aber damit ein Leuchtkäfer nicht bei der falschen Dame landet, unterscheiden sich die verschiedenen Leuchtkäferarten in der Länge und im Rhythmus der Leuchtsignale.

Leuchtkäfer flirten grundsätzlich nur nachts, denn tagsüber würden ihre blinkenden Liebesbotschaften glatt übersehen werden. Für alle Interessierten, die Glühwürmchen mal wieder in der freien Natur sehen wollen, sind Juliabende ab halb zehn am Abend am besten geeignet. Man findet sie auf Wiesen, in Gärten und Parkanlagen.

Leuchtkäfer
Der Leuchtkäfer Photinus pyralis lockt seine Beute mit Lichtsignalen an

Es gibt aber auch Leuchtkäfer, die leuchten, um Beute anzulocken. Das Weibchen der nordamerikanischen Leuchtkäferart Photinus pyralis bedient sich dafür eines ganz üblen Tricks. Sie imitiert perfekt die Blinksignale der Weibchen der Leuchtkäfergattung Photinus. Nähert sich ein Photinus-Männchen dem Leuchtkäfer, den es für ein Weibchen der eigenen Art hält, bezahlt es diesen Annäherungsversuch mit dem eigenen Leben.