Viele Tiere tarnen sich optisch - manche aber auch olfaktorisch. Mit speziellen und teils sehr abgefahrenen Tricks legen sie sich mache Tiere eine Art Geruchstarnkappe auf.

Wir kennen es vom Eisbär: Der ist mit seinem weißen Fell in der Arktis kaum zu erkennen. Tiger und Leoparden hingegen fallen mit ihrem Muster in ihrer Umgebung kaum auf, was ihnen Vorteile bei der Jagd verschafft. Es gibt aber auch Tiere, die sich über den Geruch tarnen, Biologen nennen das eine "olfaktorische Mimikry" - unser Deutschlandfunk-Nova-Biologe nennt es "Geruchstarnkappe". 

Den Geruch des natürlichen Feindes annehmen und tarnen

Über den Geruch tarnt sich beispielsweise der kalifornische Ziesel - ein etwa 50 Zentimeter großes Erdhörnchen - das gerne von Klapperschlangen gefressen wird. Um das zu verhindern, kaut der Ziesel die frisch gehäutete Haut der Klapperschlange gut durch und verteilt die zerkauten Hautstücke mit Hilfe seiner Zunge auf seinem Fell.

"Mit den zerkauten Hautstücken riecht das Erdhörnchen wie eine Klapperschlange."
Deutschlandfunk-Nova-Biologe Mario Ludwig

Bei einigen Insekten gibt es etwas Ähnliches, nämlich chemische Tarnkappen. Die werden von Silberfischen (das sind die kleinen Dinger, die man gerne mal im Badezimmer hat) verwendet, um in Ameisennester zu gelangen. Denn die Ameisennester sind voll von Nahrung und bieten Schutz. Dummerweise sind sie aber bewacht von Ameisenwachposten, woran die Silberfische aber ebenfalls durch einen Trick vorbeikommen.  

"Die Silberfische reiben sich an den Ameisen und nehmen so deren typischen Nestgeruch an."
Deutschlandfunk-Nova-Biologe Mario Ludwig

Eine Dufttarnkappe funktioniert sogar unter Wasser. Der Paletten-Feilenfisch - ein zehn Zentimeter großer Fisch - tarnt sich mit Korallenduft vor Raubfischen, wie etwa großen Barschen. Viele Fische, die nachts in der Dunkelheit jagen, vertrauen nämlich auf ihren Geruchssinn. 

Deshalb frisst der Paletten-Feilenfisch Korallen jener Gattung, in der er sich nachts bevorzugt aufhält, und nimmt so ihren Geruch an. Weil er auf diese Weise mit der Koralle geruchsmäßig verschmilzt, ist er für die jagenden Fische unsichtbar, beziehungsweise unriechbar. Das Ganze funktioniert nur leider nicht, wenn sich der Paletten-Feilenfisch in einer Koralle versteckt, die er zuvor nicht gefressen hat. Dann wird er natürlich gerochen und erkannt - und gefressen.