Auch Tiere gehen an Drogen. Saufende Igel, kiffende Delfine, Opium leckende Kängurus und Sittiche. Was nur auf den ersten Blick lustig ist, entwickelt sich in einigen Teilen der Welt zum echten Problem.

Vor allem Mohnbauern werden von Tieren geplagt. Aus Mohnkapseln werden berauschende Substanzen gewonnen, etwa Morphin, Codein und Thebain, die nicht nur für Drogen sondern auch für medizinische Zwecke genutzt werden können. Und auf genau diese Kapseln haben es in Nordindien zum Beispiel die Halsbandsittiche abgesehen. 

Die sonst so lauten Tiere dringen mucksmäuschenstill in die Mohnplantage ein und machen sich über den Milchsaft der Pflanzen her. So vernichtet sie jährlich bis zu 7 Prozent der Ernte.

"Alle Versuche, die Sittiche durch Netze vom Opiumverzehr abzuhalten oder sie mit lautem Trommeln oder Feuerwerkskörpern zu vertreiben, sind bisher kläglich gescheitert."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Für die Bauern hat das wirtschaftliche Konsequenzen, aber auch für die Vögel geht der Drogentrip oft schlecht aus: "Einige sind dermaßen berauscht, dass sie von ihren Schlafästen fallen und sich dabei das Genick brechen", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte Mario Ludwig. "Andere werden ein leichtes Opfer von Raubvögeln."

Opium macht Antilopen und Kängurus verrückt

Ebenfalls in Indien sind die Nilgau-Antilopen auf den Opiumgeschmack gekommen: Die 300 Kilogramm schweren Tiere brechen jede Nacht in die Felder ein - und werden nach dem Fressen erst so richtig wild. Und in Australien sind Kängurus voll auf Opium, springen wie verrückt im Kreis umher.

Bisher gibt es keine brauchbare Verteidigung gegen die Tiere auf Opiumjagd. Die Sittiche in Indien lassen sich nicht mal von abgebrannten Feuerwerkskörpern einschüchtern, die Kängurus brechen ebenso ein und viele Antilopen sind inzwischen derart opiumsüchtig, dass sie sich weder von Zäunen noch von Wachen vom Eindringen in die Mohnfelder abhalten lassen.

"Nicht nur opiumabhängige, sondern auch alkoholkranke Tiere können sich zu einer richtigen Plage entwickeln."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Vermeintlich mildere Drogen machen andere dicke Tiere gefährlich: Manche Elefanten entwickeln eine Leidenschaft für Alkohol, Reisbierfässer in Indien können sie ohne Probleme knacken - und dann betrinken sich die Riesen. So können auch Menschen zu Schaden kommen: 2006 starben vier Personen, als eine durch  Alkoholgenuss durchgedrehte Elefantenherde wütete. Die Menschen wurden von den randalierenden Elefanten zu Tode getrampelt.