Wie schwierig ist es für Polizistinnen und Polizisten zu entscheiden, ob die Person auf dem Reisepassfoto und die Person die vor ihnen steht, ein und dieselbe ist? Psychologen aus Bamberg und Saarbrücken haben das in einer neuen Studie untersucht. 

Zunächst wurde untersucht, wie gut verschiedene Gruppen von Versuchspersonen darin sind, Gesichter auf Passfotos zu erkennen. Getestet wurden knapp 50 Bundespolizisten und Bundespolizistinnen vom Flughafen in München mit längerer Berufserfahrung, knapp 50 ihrer Kollegen mit deutlich weniger Berufserfahrung – und dazu knapp 50 Studenten, die gar keine Erfahrung mit Passkontrollen hatten, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Journalistin Anna Beerlink.

"Die Aufgabe war für alle dieselbe, nämlich zu entscheiden: Ist auf einem Passbild einerseits und auf einem großformatigen Porträtfoto andererseits dieselbe Person abgebildet?"
Anna Beerlink, Deutschlandfunk-Nova-Journalistin

Polizisten kaum besser als Studenten

Die größte Genauigkeit erreichten die Polizisten mit kürzerer Berufserfahrung, bei ihnen lag die Trefferquote bei durchschnittlich 89 Prozent. Die erfahreneren Polizisten kamen dagegen auf 85 Prozent. Dass die Polizisten mit weniger Erfahrung besser waren, führen die Forscher einerseits darauf zurück, dass sie jünger waren – und eventuell darauf, dass die jüngeren Polizisten nach anderen Kriterien ausgewählt und eingestellt wurden. Interessant ist aber vor allem, dass die Genauigkeit der Studenten mit 83 Prozent nur 2 Prozentpunkte niedriger war als die der schlechteren Polizisten, so Anna.

Berufserfahrung hilft nicht

Berufserfahrung scheint bei dieser Aufgabe nicht zu helfen, erklärt Anna. Alle Gruppen waren auch relativ gleich schlecht darin, zu bemerken, wenn Pass und Person nicht übereingestimmt haben - in einem Viertel der Fälle haben sie gedacht, es sei dieselbe Person, sie war es aber nicht.

Einer von vier Betrügern wäre durchgekommen

Demnach wäre einer von vier Betrügern durchgekommen. Und besonders schwierig wurde es für die Probanden, wenn auf den Bildern, die sie abgleichen sollten, zwar unterschiedliche Personen abgebildet waren, die aber zum Beispiel ähnliche Frisuren oder beide die gleiche Brille trugen, so Anna.

"Wer mit einem fremden Pass durchkommen will, der hat vielleicht schon Erfolg, wenn er einfach sein Äußeres ein bisschen anpasst, also eben zum Beispiel die Frisur."
Anna Beerlink, Deutschlandfunk-Nova-Journalistin

Zeitdruck schadet der Trefferquote

Dies sind keine beruhigenden Ergebnisse. Zumal für die Studie auch gezeigt hat, das sich Zeitdruck auf die Leistung der Passkontrolleure auswirkt. Da wird die Trefferquote noch schlechter, erklärt Anna. Außerdem ist auch bekannt, dass wir Gesichter von Personen, die nicht aus dem eigenen Kulturkreis stammen, generell schlechter wiedererkennen – das spielt zum Beispiel bei Reisenden am Flughafen sicher auch eine Rolle. 

Um die Passkontrollen zu verbessern, empfehlen die Forscher psychologische Tests zu entwickeln, um festzustellen, wie gut jemand darin ist, Gesichter wiederzuerkennen. So könnte man diejenigen finden, die besonders gut im Gesichtererkennen sind – die sogenannten "Super Recognizer" – und die vielleicht sogar gezielt bei Passkontrollen einsetzen, erklärt Anna.