Posten und Liken nur mit Klarnamen! Wer trotzdem ein Pseudonym benutzt, dem sperrt Facebook schon mal kurzerhand das Profil - und bewegt sich damit in einer rechtlichen Grauzone.

Schon seit knapp einem Jahr versucht Facebook zunehmend vehement, seine Klarnamenpflicht durchzusetzen und sperrt Usern, die nicht unter ihrem echten Namen angemeldet sind, den Account. Das Blog Netzpiloten zum Beispiel berichtet über "Hendrik" aus Deutschland, der bei seinem Namen ein paar Vokale weggelassen hatte. Sein Account wurde erst wieder freigeschaltet, als er seinen echten Namen angab. Nach Einschätzung von DRadio-Wissen-Netzautorin Martina Schulte haben Nutzer allerdings kaum Chancen, die Angabe ihres echten Namens zu umgehen, sobald Facebook einem Pseudonym erst einmal auf die Schliche gekommen ist.

"Man könnte gegen den Klarnamenzwang klagen, aber das dauert ewig und die Erfolgsaussichten sind gering."
Martina Schulte, DRadio-Wissen-Netzautorin

Unter dem Deckmantel der Anonymität solle kein Unfug gemacht werden - so die offizielle Begründung für diesen Klarnamenzwang. Inoffiziell sind Klarnamen Verbraucherschutzexperten zufolge einfach wertvoller: "Insbesondere in den USA, wo die Verbindung von On- und Offlinedaten viel stärker verbreitet ist als in Deutschland", erklärt Martina Schulte.

Facebook nutzt rechtliche Grauzone

Anonymität im Internet ist eigentlich ein Grundrecht im deutschen Datenschutz. Eine entsprechende Beschwerde des Landeszentrums für Datenschutz in Schleswig-Holstein wurde aber vom Oberverwaltungsgericht Schleswig abgelehnt, wie unsere Netzautorin Martina Schulte berichtet: Für Facebook sei der deutsche Datenschutz nicht bindend, da die Datenverarbeitung in Irland stattfinde und damit irisches Recht gelte.

Eine neue Studie aus Belgien ist dagegen gerade noch zu dem Schluss gekommen, dass Facebook mit seinen im Januar 2015 in Kraft getretenen Datenschutzbestimmungen gegen belgisches und europäisches Recht verstößt: Denn die Mitglieder hätten keine ausreichende Kontrolle darüber, ob ihre Inhalte für kommerzielle Zwecke genutzt würden - ein Umstand, der laut DRadio-Wissen-Netzautorin Martina Schulte noch einmal gravierender ist, wenn User unter ihrem Klarnamen angemeldet sind.