Im Schnitt ziehen wir in Deutschland mit 24 Jahren bei den Eltern aus. Aber eben nur im Schnitt. Luzie zieht mit 18 Jahren aus. Murat mit 32. Die neue Selbständigkeit stellt beide vor ganz unterschiedliche Herausforderungen.

Murat lebt seit gut eineinhalb Jahren in einer WG. Er war "schon" 32, als er von seinen Eltern wegzog. Für ihn war es ein großer Schritt und am Anfang nicht einfach.

Murat erzählt, dass er von seinen Eltern nicht zur Selbständigkeit erzogen wurde. In seiner Community, wie er sagt, seien Familie, Verwandte und Freunde wichtiger als die eigene Individualität auszuleben. Murat hat eine Einwanderungsgeschichte, seine Eltern kommen aus der Türkei.

Das Alleinleben ist erstmal ein Schock

Zu Hause mit seinen Eltern gibt es immer wieder Krach. Er habe früh innerlich rebelliert. Aber bis Murat von zu Hause auszieht und sich löst, dauert es. Als die Streitigkeiten weiter zunehmen, verstehen auch seine Eltern irgendwann, dass es besser ist, wenn ihr Sohn in seine eigenen vier Wände zieht. Aber das Alleinewohnen ist zunächst ein Schock für ihn: all die Anmeldungen, Behördengänge und so weiter. Bislang hatte er damit nichts zu tun.

"Alleine sein können, wenn man alleine sein möchte. Selbst entscheiden können: zu hundert Prozent."
Murat lebt in Darmstadt

Aber auch wenn der Anfang schwierig ist, genießt Murat seine eigenen vier Wände. Er kann jetzt alleine entscheiden, zu jeder Zeit. Wenn er in seiner WG die Tür zumacht, dann ist klar, er will seine Ruhe. Niemand stört ihn dann. Diese Selbstbestimmtheit tut gut.

Wann der Auszug ansteht, das ist sehr individuell

Luzie macht es ganz anders als Murat. Die Kölnerin zieht mit 18 von zu Hause weg. Nach dem Abitur herrscht auch im Freundeskreis eine Aufbruchstimmung. "Ich hatte das Ideal vor Augen, sich als junge Erwachsene durch die Welt zu schlagen", erinnert sich Luzie.

Schwarz-weiß Portrait von Luzie
© von privat
Luzie zieht gleich zwei Mal bei ihren Eltern aus und zwei Mal zurück. Das geschützte Umfeld zu Hause hat ihr gefehlt.

Sie bekommt den Studienplatz, den sie haben möchte. Und zieht mit der Schwester einer Freundin zusammen nach Hamburg. Also eigentlich alles super. Aber wegen der Coronapandemie ist Luzie fast nur zu Hause. "Dann saß ich irgendwann nur noch allein im WG-Zimmer und habe an meinem Laptop Uni gemacht", sagt sie. In der WG läuft es irgendwann auch nicht mehr rund und sie beschließt zurück nach Köln und zurück zu ihren Eltern zu ziehen.

"Von den Eltern wegziehen fühlt sich nicht falsch an, aber es ist nicht der richtige Zeitpunkt."
Luzie lebt in Köln

Das habe sich nicht nach Rückschritt angefühlt, sagt Luzie. Sie war einfach froh, in ihr geschütztes Umfeld zurückzukehren.

Aber dann tut sie sich doch nochmal mit einem Freund zusammen, um nochmal auszuziehen. Die beiden finden auch schnell eine Wohnung. Doch auch beim zweiten Auszug wird Luzie klar, dass es nicht passt und dass sie eigentlich lieber zu Hause bei ihren Eltern wohnt. Zumindest zurzeit.

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Wissenswert:

  • Laut Statistischem Bundesamt haben 2020 mehr als ein Viertel der 25-Jährigen mit ihren Eltern zusammen gewohnt.
  • Töchter verlassen das Elternhaus früher: 21 Prozent der 25-Jährigen in Deutschland lebten 2020 bei den Eltern, bei den Söhnen waren es 35 Prozent.
  • Im europäischen Vergleich ziehen vor allem in den nordeuropäischen Ländern Kinder früh von zu Hause aus. Mit 17,5 Jahren hat Schweden das niedrigste Auszugsalter. Im Vergleich dazu ist das Auszugsalter in den süd- und osteuropäischen Ländern vergleichsweise hoch. Der höchste durchschnittliche Wert wurde mit 32,4 Jahren in Kroatien gemessen.

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