Wir sind jung, erwachsen – und wohnen weiter bei unseren Eltern: Das trifft auf ein Viertel der 25-Jährigen in Deutschland zu. Für sie war Ausziehen 2020 kein Thema.

Das Corona-Jahr 2020 hat vieles in unserem Leben auf den Kopf gestellt. Wenn es ums Ausziehen aus dem Elternhaus geht, hat sich bei uns im Vergleich zu den Vorjahren aber nur wenig geändert. Die Zahlen bleiben konstant, sagt Matthias Keller vom Statistischen Bundesamt. Und das schon seit ein paar Jahren: Auch 2020 hat mehr als ein Viertel der 25-Jährigen mit ihren Eltern zusammen gewohnt. Das zeigt die aktuelle Erhebung vom Statistischen Bundesamt.

Ob die Corona-Pandemie auch der Grund dafür war, das lassen die Zahlen offen. Es ist auch unklar, wer unter den 25-Jährigen eigentlich schon bei den Eltern ausgezogen war und dann wegen der Corona-Pandemie wieder zurückgekommen ist – weil zum Beispiel der Nebenjob wegfiel und damit auch das Geld für das WG-Zimmer.

Wir ziehen früher aus als der europäische Durchschnitt

Im Durchschnitt ziehen wir mit 24 Jahren aus dem Elternhaus aus und sind damit zweieinhalb Jahre früher dran als der europäische Durchschnitt. Der liegt bei 26,4 Jahren.

Die Schwedinnen und Schweden entscheiden sich durchschnittlich mit 17 Jahren von zu Hause wegzuziehen. In Kroatien, Italien und Portugal hingegen bleiben viele länger bei ihren Eltern wohnen. Mit 30 Jahre wird es für sie durchschnittlich gesehen Zeit, weiterzuziehen.

Miese wirtschaftliche Lage: Wir bleiben zu Hause

In diese Richtung haben sich auch die Zahlen in den vergangenen zwei Jahrzehnten entwickelt: Europaweit leben mehr Menschen mit Mitte und Ende zwanzig weiter bei ihren Eltern. Der Grund – so zumindest die Vermutung – ist wirtschaftlicher Natur.

Besonders in Ländern, die von der Wirtschafts- und Euro-Krise stark getroffen wurden, bleiben viele Menschen in ihren Zwanzigern zu Hause wohnen. Eine hohe Jugendarbeitslosigkeit wie in Spanien ist einer der Gründe.

Für das Jahr 2013 zeigt eine Studie des spanischen Nationalen Jugendrats zum Beispiel, dass 80 Prozent der Unter-30-Jährigen bei ihren Eltern gewohnt haben, während die Jugendarbeitslosigkeitsquote 55 Prozent betrug. Eine teure Miete in beliebten Großstädten ist dann offensichtlich nicht drin.

  • Moderator:  Thilo Jahn
  • Gesprächspartnerin:  Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova