Die Sklaven brachten ihre Musik mit nach Amerika. Sie verpackten ihr Leid in Gospels, die bis heute wirken, erklärt der Musikhistoriker Wolfgang Rathert im Hörsaal-Vortrag.

Im 17. Jahrhundert treffen die ersten aus Afrika verschleppten Menschen in Amerika ein. Auf den Tabak- und Baumwollfeldern werden sie zu harter Arbeit gezwungen und ausgepeitscht. In dieser Zeit entstehen die African-American Spirituals und in der Folge die Gospels, die bis heute in die moderne Musik hinein wirken. Darüber spricht Wolfgang Rathert, Professor für Historische Musikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, in seinem Vortrag.

Trost in der Musik und in Jesus

Allmählich kommen die Sklaven auch mit dem Christentum in Berührung. Auf den Plantagen singen sie von der Hoffnung auf ein besseres Leben, auf eine Rückkehr in die Heimat und suchen Trost in Jesus.

Siegeszug der Gospelmusik

Es entstehen eigene Kirchen, in der sich die christliche Lehre mit den afrikanischen Herkunftskulturen vermischt. Für den Gospel werden ein Wechselgesang zwischen Prediger und Gemeinde und der sogenannte "Ring Shout" kennzeichnend, ein rhythmisches Aufstampfen der Füße und In-die-Hände-Klatschen. Die Gospelmusik breitet sich immer weiter aus - bis nach Europa.   

"Nicht nur amerikanische Hörer, sondern auch Europäer empfanden den Gospel als Rückkehr zu einer ursprünglichen Einheit von Musik und Glauben."
Wolfgang Rathert, historischer Musikwissenschaftler

Wolfgang Rathert illustriert den Weg des Gospels rund um die Welt mit vielen Musikbeispielen - darunter Ella Eyre mit einer modernen Interpretation des Klassikers "Swing Low, Sweet Chariot" oder Steve Reich mit "It's Gonna Rain".

Moderner Gospel von Kanye West

Er verweist in seinem Vortrag dabei auch auf Kanye West, der mit einem seiner frühen Hits "Jesus Walks!" erfolgreich an die Gospel-Tradition angeknüpft hat.

Der Vortrag des Musikwissenschaftlers Wolfgang Rathert wurde am 4.7.2017 im Rahmen der Vorlesungsreihe "Musik und Religion" des Exzellenzclusters "Religion und Politik" an der Universität Münster aufgezeichnet - der Titel: "Swing Low, Sweet Chariot? Anmerkungen zu Erscheinung und Wandel des Gospels in der amerikanischen Musikgeschichte".

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