Die Popmusik wird immer schlechter! Wir kennen diesen Vorwurf. Aber ist es wirklich so schlimm? Im Hörsaal analysiert der Komponist und Musikwissenschaftler Hartmut Fladt, was erfolgreiche Popmusik ausmacht. Unter anderem: Einfachheit und Wiederholung. Und das ist nicht neu, sondern war schon immer so.

Song-Contests und Singer-Songwriter gab es schon im alten Griechenland. Und dass Pop nach einfachen Mustern funktioniert und sich kontinuierlich wiederholt, ist weder neu noch verwerflich, findet der Musikwissenschaftler und Komponist Hartmut Fladt.

Popmusik braucht Klischees und Wiederholung

Das Alte im Gewande des Neuen sei eines der wichtigsten Erfolgsrezepte in allen Künsten, erklärt er in seinem Vortrag "Genie Gender Gewohnheit - Erfolg in der Popmusik".

"Jede Kunst, auch jedes Popprodukt, das nur aus Elementen bestehen würde, die völlig neu sind, würde uns überfordern und langweilt uns schließlich."
Hartmut Fladt, Musikwissenschaftler

Mit viel Wissen und Humor und anhand zahlreicher Beispiele – aus der Konserve aber auch live am Klavier – analysiert er, was guten und schlechten Pop ausmacht und was ihn erfolgreich macht. Er nimmt uns dafür mit auf eine akustische Reise durch die Jahrhunderte bis zurück zur Antike. Wobei er so richtig von 'schlechtem' Pop gar nicht sprechen mag – mit Proust plädiert er: "Verabscheut die schlechte Musik, aber verachtet sie nicht!"

"Um überhaupt verstanden zu werden, braucht die Musik Klischees."
Hartmut Fladt, Musikwissenschaftler

Fladt analysiert in seinem Vortrag aber nicht nur die Popmusik, sondern schaut auch auf die, die sie machen: Ein Schwerpunkt in seinem Vortrag liegt auf der Rolle der Frauen in der Popmusik. 

Mangelnde Gleichberechtigung in Pop und Kunst

Historisch spielten sie immer eine Rolle, früher waren sie als Musikerinnen sogar anerkannter als heute, da die Musikindustrie sehr männlich dominiert ist. Dann plötzlich wurden sie marginalisiert, erzählt Fladt: Malerinnen und Komponistinnen seien kontinuierlich aus den Lexika des 19. und frühen 20. Jahrhunderts getilgt worden.

Aufgezeichnet wurde der Vortrag am 22. Mai 2018 als Teil der Reihe "Berlin.Pop.Women" im Rahmen der Sonderausstellung "Oh Yeah! Popmusik in Deutschland", die noch bis zum 15. September 2018 im Museum für Kommunikation in Berlin läuft.

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