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Die Dating-App Tinder will in den USA für mehr Schutz vor Gewalt sorgen. Dafür können Nutzerinnen und Nutzer bald vorab checken, ob das Date vorbestraft ist. Vorname und Telefonnummer sollen dafür schon reichen.

Dafür hat Tinder in die Non-Profit-Organisation Garbo investiert und will deren Erkenntnisse seinen Userinnen zur Verfügung stellen. Die Organisation sagt über sich selbst, sie wolle Gewalt in der digitalen Welt verhindern. Dabei geht es Garbo um Dating-Apps, aber auch um Angebote wie Uber, um Fahrten zu vermitteln.

Wie häufig es zum Beispiel in Deutschland zu (sexualisierter) Gewalt kommt im Zuge solcher Apps, die ein Date oder eine Art Taxi-Fahrt vermitteln, ist nicht klar. "Dazu fehlen seriöse Zahlen", sagt Netzreporter Andreas Noll. Dass Daten fehlen, wurde auch deutlich bei der Debatte über Panik-Knöpfe in Apps wie eben Tinder oder Uber. Bislang wird Gewalt im Kontext zum Beispiel von Dating-Apps vom Bundeskriminalamt nicht speziell ausgewertet.

Tinder will Dates sicherer machen

In den USA will Tinder aber jetzt ein Mehr an Sicherheit schaffen. Mithilfe von Garbo soll es reichen, Vornamen und Telefonnummer in die Tinder-App einzugeben, um über eine mögliche kriminelle Karriere des potentiellen Dates informiert zu werden.

Dafür wertet Garbo öffentlich zugängliche Berichte über (sexualisierte) Gewalt aus und legt darauf basierend eigene Datenbanken an. Da fließen dann Gerichtsurteile, Verhaftungen, aktenkundige Belästigungen oder auch Verurteilungen mit ein. "Die Dating-Apps des Tinder-Mutterkonzerns Match sollen an diese Datenbank angeschlossen werden", sagt Andreas Noll. Erste Tests soll es in den USA in den kommenden Monaten geben.

"Garbo wertet öffentlich zugängliche Berichte über Missbrauch und Gewalt aus."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova

Einige Fragen sind aber noch ungeklärt: Für wie lange bleiben Fälle sexualisierter Gewalt in der Datenbank? Oder was ist mit Personen, die nach ihrer Gefängnisstrafe wieder integriert werden sollen? Bleiben die in der Datenbank?

Garbo will Diskriminierung vermeiden

Noch ein Punkt kommt hinzu, auf den die Organisation Garbo selbst verweist. Nämlich die Ungleichbehandlung von BPoC, also von Black and People of Colour, im Strafrechtssystem der USA. Deshalb sollen Delikte im Zusammenhang mit Drogenbesitz und Verkehrsverstößen nicht in die Datenbank einfließen. Denn prozentual werden unverhältnismäßig mehr BPoC wegen Drogenbesitzes festgenommen als weiße Personen. Außerdem bedeuten drogenbezogene Delikte nicht, dass das Risiko sexualisierter Gewalt steigt, so Garbo.

"Eine Verfügbarkeit des Angebots in Deutschland steht völlig in den Sternen."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova

Ob Tinder solche eine Abfrage auch in Deutschland anbietet, ist unklar. "Meines Wissens nach gibt es derartige Datenbanken in Deutschland aktuell nicht", sagt Andreas Noll. Auch ist der Datenschutz in Europa und Deutschland anders geregelt als in den USA.