Die Erfahrungen, die wir während der Pandemie machen, haben uns verändert. Das zeigt sich auch bei unseren Dating-Vorlieben. Im Vergleich zu früheren Befragungen zeigt sich: Unsere Prioritäten haben sich geändert.

Viele von uns sind verunsichert durch die Ungewissheiten, die das Leben in einer Pandemie mit sich bringt. Jobverlust, Einschränkungen im Alltag – diese und ähnliche Faktoren äußeren sich in einem gesteigerten Sicherheitsbedürfnis, wenn es um Partnerschaften geht, darauf deuten auch die Ergebnisse einer Umfrage aus den USA hin.

Vorstellung vom idealen Match hat sich verändert

Die Suche nach einem Partner oder einer Partnerin hat sich im vergangenen Jahr deutlich verändert. Vor allem, wenn es darum geht, wie wir uns ein ideales Match vorstellen. Das zeigen die Ergebnisse der US-amerikanische Erhebung "Singles in America", die jährlich stattfindet.

"Die Forschenden sagen, dass viele nach was Verlässlichem in unsicheren Zeiten suchen. Tod und Krankheit sind viel präsenter im Alltag seit der Pandemie."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Ein großer Teil der Befragten sagt, dass:

  • sie sich mehr um ihre psychische Gesundheit kümmern
  • es ihnen körperlich besser geht
  • sie ihr Verhältnis zu ihrer Familie verbessert haben
  • sie weniger abhängig von sozialen Medien sind
  • und dass sie selbstbewusster geworden sind

"Match America", das Dating-Portal, das diese jährliche Umfrage finanziert, spricht in diesem Zusammenhang von einem "post-traumatic growth". Statt von post-traumatischem Stress durch die Pandemie, wird der Fokus auf ein Wachstum oder eine Weiterentwicklung gelegt.

Stabilität ist wichtiger, "Aufreißer" gelten als nicht so attraktiv

Die Umfrage fragt bestimmte Kategorien ab, damit sich die Ergebnisse aus verschiedenen Jahren vergleichen lassen.

83 Prozent der Befragten sagten beispielsweise, dass sie nach einer Partnerin oder einem Partner suchen:

  • dem sie vertrauen können
  • mit dem sie ihre Wünsche teilen können
  • der emotional reif ist

78 Prozent sagen, dass das Aussehen besonders wichtig sei, das waren 2020 immerhin noch 90 Prozent.

In den elf Jahren, in denen es diese Umfrage bereits gibt, ist diese Zahl zum ersten Mal gesunken, stellt Matthias Wurms fest.

"Die Forschenden sprechen da von einem Gezeitenwechsel – und zwar nicht nur was Partnerschaften angeht, sondern auch den Umgang mit sich selbst."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Die Forschenden sagen, dass viele nach etwas Verlässlichem in unsicheren Zeiten suchen. Tod und Krankheit sind viel präsenter im Alltag seit dem Beginn der Pandemie. Viele seien möglicherweise etwas ernsthafter und nachdenklicher geworden.

Fast Dreiviertel der Singles sagen zum Beispiel, dass sie sich besser auf die wichtigen Dinge in ihrem Leben fokussieren können. Oder sie sehnenda sich nach mehr Sicherheit und Beständigkeit.

Wunsch nach fester Bindung

Dreiviertel, also 75 Prozent, der befragten Singles äußern, dass sie heiraten wollen. Vor zwei Jahren war diese Zahl deutlich niedriger, sie lag sie bei 58 Prozent.

Impfbereitschaft unter Befragten höher als beim US-Durchschnitt

Für die Forschenden passt es zu dieser Suche nach Tiefe und Verlässlichkeit, dass im Vergleich zum US-Durchschnitt ein größerer Anteil der Befragten geimpft sei.

65 Prozent der Singles wünschen sich zudem, dass ihr Partner oder ihre Partnerin geimpft ist. Daraus ziehen die Forschenden Rückschlüsse darauf, ob jemand sich um sich selbst und andere kümmert, und ob jemand empathisch ist. Das sei offenbar vielen wichtig, die an dieser Erhebung teilgenommen haben.

Wie sich Prioritäten beim Daten verändert haben

Dass sie mögliche Partner*innen zuerst bei einem Video-Date abchecken wollen, äußerte jede und jeder Vierte. Bei den Jüngeren lag dieser Wert bei rund der Hälfte der Befragten.

Dass Dates digital stattfinden, sorge automatisch auch dafür, dass andere Prioritäten gelten, schließen die Forschenden. Fragen wie "Sollen wir uns küssen?" oder "Gehen wir zu dir oder zu mir?" rücken dadurch in den Hintergrund.

Es besteht ein größeres Interesse daran, zunächst viel miteinander zu reden und sich intellektuell austauschen. Schneller Sex spielt dementsprechend keine so große Rolle mehr wie früher. Das spiegelt sich auch in den Umfrageergebnissen: Nur noch elf Prozent sagen, dass sie auf "Casual Dates" aus sind. Und meinen damit unverbindliche Treffen, bei denen Intimitäten nicht ausgeschlossen sind.

"Die meisten wollen jetzt eine langfristige Partnerschaft aufbauen. Also: Die bösen Mädchen und bösen Jungs sind out."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Die Forschenden gehen davon aus, dass das Video-Dating auch nach der Pandemie noch genutzt werden wird. Außerdem glauben sie, dass die Ära, in der frühzeitiger Sex beim Dating beliebt war, vorbei sei.

Emotionale Reife ist in

Die Mehrheit bevorzuge es, eine langfristige Partnerschaft aufzubauen. Die Forschenden sprechen in diesem Zusammenhang von einem Gezeitenwechsel - und zwar nicht nur, was Partnerschaften angeht, sondern auch den Umgang mit sich selbst.