Es gibt den "Bachelor", die "Bachelorette", "First Date" oder den Klassiker "Herzblatt" - und auch Netflix hat eine eigene Dating-Show: Sie heißt "Love Is Blind". Und unsere Reporterin Ilka Knigge hat drüber nachgedacht, warum wir immer wieder bei Dating-Shows hängen bleiben.

Unter den meist gestreamten Serien auf Netflix liegt die Dating-Serie "Love Is Blind" (auf Deutsch "Liebe ist blind") ganz weit vorn. Dabei ist das Konzept der Serie nicht sonderlich neu. Es ist eher eine Mischung aus schon Dagewesenem, meint unsere Reporterin Ilka Knigge.

"Aus meiner Sicht ist das so eine Mixtur aus Sachen, die es schon gibt: bisschen 'Herzblatt', bisschen 'First Date', bisschen der 'Bachelor' oder die 'Bachelorette'."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Bei "Love Is Blind" treffen eine Gruppe Männer und Frauen aufeinander. Sie sitzen in speziellen Speeddating-Räumen, können miteinander sprechen, aber sich nicht sehen. Wenn sie sich gut finden, kann einer von ihnen einen Heiratsantrag machen. Und dann ist alles organisiert: Treffen mit der Familie und sogar die Hochzeit. Das frischgebackene Paar muss entscheiden, ob es wirklich die Ringe tauschen will.

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Warum Dating-Shows wie diese so erfolgreich sind, dafür gibt es mehrere Erklärungen. Eine lautet: Wir können anderen in Situationen zugucken, in denen wir sonst nicht dabei sein dürfen. Diese Intimität mit eigentlich fremden Menschen hat ja schon bei "Big Brother" gut funktioniert.

Unmittelbarkeit und Intimität

Andererseits suchen wir Zuschauer auch nach einer Art Fahrplan für das eigene Dating und die eigene Liebe, meint Medienwissenschaftlerin Claudia Töpper, die sich intensiv mit Reality-Shows auseinandersetzt. Fragen, die wir uns selbst stellen, gleichen wir mit der Serie ab.

"Wie verhalte ich mich richtig in der Liebe und in Paarbeziehungen? Wie flirte ich richtig? Wie ziehe ich mich richtig an? Wie drücke ich Emotionen glaubwürdig aus?"
Claudia Töpper, Medienwissenschaftlerin

Anders verhält es sich nach Meinung der Medienwissenschaftlerin mit Shows wie "Adam und Eva" oder "Naked Attraction": Hier steht nicht die romantische Liebe im Vordergrund, sondern wir sehen viel nackte Haut. Es geht um die Optik und um körperliches Gefallen. Sie könnten fast als eine Art Gegenströmung zu den Blind-Date-Shows bezeichnet werden. Beide Formen gibt es schon sehr lange.

Dating-Shows sind "soziale Sendungen"

Auch in der Neurowissenschaft findet sich eine Erklärung dafür, warum uns solche Dating-Shows so leicht fesseln: Demnach hängt es damit zusammen, dass wir beim Zuschauen immer gleichzeitig im Kopf durchspielen, wie wir in so einer Situation handeln würden. Neurowissenschaftler Henning Beck spricht von der "Theory of Mind".

"Menschliche Gehirne sind sehr gut darin, sich in andere Situationen und Personen hineinzuversetzen. Bei so einer Dating-Show würdest du dir auch überlegen: Wie würde ich da reagieren?"
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Wir simulieren also das, was andere tun, für uns selbst einmal durch, sagt der Neurowissenschaftler. Und deswegen seien solche Sendungen, die Henning Beck "soziale Sendungen" nennt, durchaus erfolgreich, erklärt er.