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Seit er in Manchester ist, hat Constable James O’Connor, genannt "Jimmy", keinen Alkohol mehr angerührt. Vor Ort soll der Ire einen möglichen Anschlag der irischen Geheimorganisation "Fenians" aufdecken. Doch schneller als ihm lieb ist, steckt er mitten drin in einem Katz-und-Maus-Spiel.

Jimmy hat durchgehalten. Seit zwei Jahren ist Catherine jetzt tot – und er kann sich immer noch an alles erinnern: an ihren Duft, an die eine helle Stelle in ihrem sonst rabenschwarzen Haar, an ihr Flüstern an seinem Ohr… Der Schmerz ist nie ganz weggegangen.

Nach Chatherines Tod hatte sich Jimmy um Kopf und Kragen gesoffen. Eigentlich hätte er entlassen werden müssen, stattdessen wurde er versetzt, von Dublin nach Manchester. Seither hat er dem Alkohol abgeschworen. Statt Whiskey trinkt er jetzt Limettensirup, Kaffee und Tee mit viel Zucker. Die Abende verbringt er in seinem Büro, beim Pfeiferauchen und Kartenspielen im "Enthaltsamkeitscafé" oder zuhause.

Historischer Thriller um irische Unabhängigkeitskämpfer

"Der Abstinent" heißt der neueste, ins Deutsche übersetzte Roman des Briten Ian McGuire. Darin erzählt er Jimmys Geschichte und konzentriert sich dabei auf Manchester Mitte des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit kämpften die Anhänger der Irisch-republikanischen Geheim-Bruderschaft "Fenians" einen blutigen Kampf aus dem Untergrund gegen die Engländer und für die Unabhängigkeit Irlands.

Und tatsächlich ließ die Polizei in Manchester am 23. November 1867 drei Anhänger der Fenians hängen, nachdem bei einem Überfall ein Polizist getötet worden war. Mit diesem realen Ereignis beginnt Ian McGuires fiktiver historischer Thriller.

Drei tote Informanten und ein unerwarteter Besuch

Keine Woche nach den Hinrichtungen werden die Leichen von drei weiteren Fenians gefunden. Drei, die Jimmy regelmäßig Informationen aus den eigenen Reihen beschafft hatten. Das war gefährlich. Denn noch mehr als die Engländer hassen die Fenians Verräter. Und Jimmy war leichtsinnig: Man hat ihn überfallen, zusammengeschlagen und ausgeraubt – auch ein paar Seiten aus seinem Notizbuch fehlen. Darauf standen die Namen seiner Informanten.

Und dann passiert etwas Komisches: Plötzlich steht Jimmys Neffe Michael vor der Tür, der Sohn seiner Schwägerin. Er hat die selben grünen Augen wie Jimmys verstorbene Frau Catherine. Das bringt Jimmy aus der Fassung. Er wird hellhörig, als sein Neffe einen Soldaten mit dunklem Blick und zwei tiefen Narben im Gesicht erwähnt. Richtig unheimlich sei der gewesen. Und von einer großen Sache hätte der im Suff gefaselt, was mit den Fenians.

Hatte einer der Informanten kurz vor seinem Tod nicht etwas ganz ähnliches erzählt? Dass ein Amerikaner auf dem Weg nach Manchester sei, um den Fenians zu helfen? Michael ist in Gefahr, das steht fest. Und Jimmy steckt schon mittendrin, im Katz und Maus-Spiel.

Buch: "Der Abstinent" (OT: "The Abstainer") von Ian McGuire, aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Jan Schönherr, dtv, 334 Seiten, gebundene Ausgabe (Hardcover): 23,00 Euro, E-Book: 18,99 Euro, ET: 23.04.2021