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Sie sind der Willkür ihrer Grundherren ausgesetzt: Die Bauern werden in jeder Hinsicht ausgebeutet, um die Feudalgesellschaft aufrechtzuerhalten. Zölle, Steuern und unentgeltliche Frondienste treiben sie in die Verschuldung. 1524 kommt es dann zum Aufstand der Bauern.

Das Leben der Bauern im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation ist zu Beginn des 16. Jahrhundert von Not und Elend gekennzeichnet. Das feudale Wirtschaftssystem fördert extreme Ungerechtigkeiten, weil die Grundbesitzer die auf ihren Feldern abhängig arbeitenden Bauern nicht nur durch hohe Abgaben, sondern auch noch durch unentgeltliche Frondienste ausbeuten, ja geradezu ausplündern können.

Bauern werden ausgeplündert

Die Bauern sind der Willkür ihrer Herren wehrlos ausgesetzt. Stirbt der Versorger der Familie, so geht die Hälfte des Erbes an den Feudalherren, zudem das beste Vieh und das "beste Gewand".

"Bauernproteste begleiten die europäische Geschichte seit mehreren hundert Jahren. Forderungen waren damals die Abschaffung von Abgaben, Senkung von Steuern und ein Ende der sogenannten Frondienste."
Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte

Die Demütigungen nehmen immer weiter zu: Verschuldete Bauern, die ihre Raten nicht zahlen können, gehen mit ihren Frauen und Kinder in die Leibeigenschaft und müssen nun alle zusammen dafür schuften, ihre Schulden abzubezahlen.

Eine Anordnung des Grafen von Lupfen am 23. Juni 1524 ist der Auslöser für einen blutigen Krieg gegen soziale Ungerechtigkeiten: An jenem Tag weisen die Schergen des Grafen die Bauern an, "die Ernte zu unterbrechen und in den Wald zu gehen, um Schneckenhäuser und Waldbeeren für die Gräfin zu sammeln". Das finden die Bauern unfassbar. Die Gräfin wollte von ihren Zofen und Mägden Garn auf Schneckenhäuser aufziehen lassen – mitten in der Erntezeit.

Forderung nach Menschen- und Freiheitsrechten für Bauern

Einen Tag später beginnt der Deutsche Bauernkrieg, der sich vor allem im Süden des Reichs abspielt und weder vor Klöstern noch vor Burgen Halt macht. Die sozialen Forderungen und die zwölf Artikel, in denen sie Menschen- und Freiheitsrechte festgeschrieben haben, werden überall bekannt.

Als aber am 4. November 1525 in der Nähe von Zürich die letzte Schlacht des Deutschen Bauernkriegs geschlagen wird, ist klar: Keine einzige der Forderungen kann durchgesetzt werden.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Historiker Ralf Höller beschreibt den Verlauf des Bauernkrieges und den Zusammenhang mit der Reformation Martin Luthers.
  • Der Jenaer Historiker Uwe Schirmer erläutert die Auswirkungen des Deutschen Bauernkriegs auf einzelne Gegenden des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation.
  • Der Frankfurter Jurist David von Mayenburg befasst sich mit den "Zwölf Artikeln" der aufständischen Bauern und ihre Bedeutung in der europäischen Rechtsgeschichte.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld geht zurück zu den Vorläufern der Bauernkriege, die schon im 13. Jahrhundert in England oder am Beginn des 15. Jahrhunderts im "Flegelerkrieg" zu finden sind.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Luisa Filip zeichnet die Not der Bauern zu Beginn des 16. Jahrhunderts nach.
Shownotes
Aufstand gegen soziales Elend
Der Deutsche Bauernkrieg 1524
vom 14. Juni 2024
Moderation: 
Markus Dichmann
Gesprächspartner: 
Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte
  • Ralf Höller, Historiker
  • Uwe Schirmer, Historiker
  • David von Mayenburg, Rechtswissenschaftler