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Ob "Coming-out", "Act Out" oder "Outing" - sich selbst und anderen einzugestehen, wen man liebt, fällt nicht immer leicht. Im Rampenlicht zu stehen, macht es nicht unbedingt besser. Wir sprechen mit Fußballer Oliver Egger, der sich auf seiner Geburtstagsparty vor seinen Teamkollegen geoutet hat.

Oliver spielt in Österreichs Regionalliga Mitte Fußball. Außerdem steht Oliver auf Männer. Mittlerweile wissen das zwar alle, aber das war nicht immer so. Sein Coming-out hatte Oliver zunächst vor seinen Eltern und Freunden. Seine Mitspieler erfahren erst später, dass Oliver auf Männer steht – auf seiner Geburtstagsparty, zu der er nicht nur seine Teamkollegen, sondern auch seinen Freund einlädt.

"Als er vorbeigekommen ist, haben wir uns angeschmust. Dem Rest war es dann einfach komplett klar. Dem hat man dann nicht großartig etwas erklären müssen."
Oliver Egger, hat sich als erster österreichischer Fußballer geoutet

Sexualität als Tabuthema

Und dann? Laut Oliver ging seither alles seinen normalen Gang. "Mit mir wird genauso umgegangen wie davor", meint er im Gespräch. Doch nicht bei allen läuft das Outing vor den Mannschaftskollegen so entspannt wie bei ihm.

Laut einer Studie der Sporthochschule Köln outet sich ein Drittel der queeren Menschen in Sportvereinen nicht. "Im Fußball ist Sexualität das letzte Tabuthema", bestätigt Oliver. Viele Sportler hätten deshalb Angst vor Ausgrenzung, Diskriminierung und sogar vor Gewalt.

Auch Oliver musste schon derbe Beleidigungen aufgrund seiner Sexualität im Rahmen der Fußballspiele ertragen. Aber: "Ich kann mich zu hundert Prozent auf meine Mitspieler verlassen, die stehen mir bei und verteidigen mich."

In Österreich habe Sexualität meist etwas "Anrüchiges", erklärt Oliver. Weil viele der queeren Sportler die Reaktionen der Fans und anderer Athleten fürchten, schweigen sie lieber.

Auf die Sprache kommt es an

Dabei spielt auch die Sprache eine entscheidende Rolle. Oliver glaubt, dass sich die Situation für queere Menschen im Sport nicht verbessern wird, solange homophobe Betitelungen auf Schulhöfen und Sportplätzen selbstverständlich als Schimpfworte herhalten.

"Wenn so eine Atmosphäre in den Vereinen herrscht, wird sich einfach niemand trauen, sich zu outen."
Oliver Egger, hat sich als erster österreichischer Fußballer geoutet

Seitdem Oliver ein Interview über seine Geschichte für ein queeres Magazin gegeben hat, steht er noch stärker in der Öffentlichkeit. Der Verantwortung, die damit einhergeht, ist er sich bewusst. Oliver Egger will eine Vorbildfunktion für die einnehmen, die sich vielleicht nicht trauen, sich zu outen.

"Ich habe das Vorbild im Fußball leider nie gehabt, was ich eigentlich gebraucht hätte."
Oliver Egger, hat sich als erster österreichischer Fußballer geoutet

Obwohl Oliver bereits als Jugendlicher ahnte, dass er auf Männer steht, hat es auch bei ihm einige Zeit gebraucht, bis er sich anderen Menschen anvertraut hat. Warum er das letztlich getan hat? Für Oliver war es vor allem wichtig, dass er selbst glücklich sein kann. "Die Konsequenzen waren mir damals im Fußball komplett egal", erklärt er. Sein Outing hat er nie bereut.

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