Den polnischen Kardinal Karol Wojtyła  kannte kaum jemand. Als Johannes Paul II. sollte ihn jedoch die ganze Welt kennenlernen: für medial gefeierte Auftritte und für sein politisches Handeln.

Es war ein historischer Moment, als am 14. Oktober 1978 Kurienkardinal Pericle Felici tausenden wartenden Gläubigen in Rom verkündete: "Habemus papam". Johannes Paul I. war nach nur 33 Tagen im Amt überraschend gestorben, sodass das Konklave erneut zusammen gekommen war, um einen Nachfolger auf dem Heiligen Stuhl zu wählen. 

Verhaltener Applaus für Wojtyla

Gespannte Stille lag über dem Petersplatz, als der Kardinal fortfuhr: "Kardinalem Wojtyła". Es folgte verhaltener Applaus, denn kaum einer kannte Karol Wojtyła, den 58-jährigen Kardinal aus dem polnischen Krakau. Bald aber sollten ihn nicht nur die katholischen Gläubigen kennen, sondern die ganze Welt. 

Militärischer Empfang für Johannes Paul II. 1979 in Polen
© imago | Sven Simon
Militärischer Empfang für Johannes Paul II. bei einem Besuch 1979.

Wie kein Papst vor ihm mischte sich Johannes Paul II. in die Politik ein, er reiste mehrfach nach Polen, um der Gewerkschaftsbewegung Solidarność den Rücken zu stärken und den kommunistischen Machthabern zu signalisieren, dass sie mit ihm einen ernsthaften und unerschrockenen Gegner hatten. Während er einerseits aktiv mitwirkte, um dem politischen System des Ostblocks ein Ende zu bereiten, war er im Inneren der katholischen Kirche ein Konservativer, der auf althergebrachten Überzeugungen der Kirche beharrte und sich gegen alle Reformversuche wehrte.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Sven Preger über das Leben von Johannes Paul II.
  • Dlf-Kirchenexperte Matthias Gierth über ein persönliches Treffen 1998 während der päpstlichen Reise nach Kuba.
  • Der ehemalige Leiter des ZDF-Büros Joachim Jauer in der DDR zum Verhältnis des Papstes und der polnischen Gewerkschaftsbewegung Solidarność.
  • ARD-Korrespondent Jan Pallokat geht den Spuren nach, die der erste polnische Papst in der katholischen Kirche in Polen bis heute hinterlassen hat.  
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld befasst sich mit dem Beginn des Pontifikats von Karol Wojtyła und dem Attentat, das am 13. Mai 1981 in Rom auf ihn verübt wurde.