Ein Paria ist ein Ausgestoßener. Das Wort geht zurück auf eine Bezeichnung in Indien, wo sie für Menschen gebraucht wird, die keiner oder der niedrigsten Kaste angehören. Deutschland war nach dem Zweiten Weltkrieg der Paria der Welt.

Deutschland war ausgestoßen von der internationalen Staatengemeinschaft. Eben wie ein Paria, so sieht es der Wissenschaftler Volker Kronenberg: Eine Wiederbewaffnung war zunächst verboten und wurde später heftig diskutiert. Und auch in Deutschland selbst war die Wiederbewaffnung heftig umstritten.

"Ich bin ein grundsätzlicher Gegner der Remilitarisierung Deutschlands. So lehne ich es grundsätzlich ab, nachdem man mir diese Uniform, die ich zuletzt getragen habe, vom Leib gerissen hat."
Ehemaliger Kriegsteilnehmer, Dezember 1949

Erst im Januar 1956 zogen junge deutsche Männer dann doch wieder die Uniformen an. Wie kam es dazu und wie ging es danach weiter? Wieso ist Deutschlands nach diesem so beschwerten Start in eine Wehrpflicht-Armee heute ein geschätzter Partner in der Welt geworden? Darüber berichtet der Akademische Direktor am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie an der Universität Bonn, Volker Kronenberg.

Stunde Null und die Orientierungslosigkeit

Im Rahmen einer Tagung der Evangelischen Akademie Rheinland unter dem Motto "Deutschlands Rolle in der Welt - Für eine neue Außen-, Sicherheits- und Friedenspolitik" hat Volker Kronenberg am 12. September 2014 seinen Vortrag "Vom Paria zum geachteten Partner. Deutschlands Außen- und Sicherheitspolitik im Wandel der Zeiten" gehalten. Er befasst sich mit der Orientierungslosigkeit in der Stunde Null von 1945 bis in die Zeit nach der Wiedervereinigung 1990.

"Die Frage, ob es wieder Deutsche in Uniformen geben soll - womöglich auch muss - war aus Sicht der Alliierten immer klar: dass ein solcher Verteidigungsbeitrag in Europa integriert in wie auch immer geartete Bündnisstrukturen erfolgen muss."
Volker Kronenberg, Politikwissenschaftler Universität Bonn

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