Am 17. Juni 1972 brechen fünf Männer in das Wahlkampf-Hauptquartier der Demokratischen Partei im Watergate-Komplex in Washington ein. Es wird einer der folgenschwersten Tage der jüngeren US-amerikanischen Geschichte.

Die Einbrecher sollen die Telefone der Wahlkampfzentrale der Demokraten anzapfen und deren Büros verwanzen. Aber sie werden von einem Wachmann überrascht und anschließend festgenommen. Als Anführer wird James McCord ausgemacht, der zuvor jahrelang für den US-Geheimdienst CIA gearbeitet hat und anschließend Sicherheitschef des "Komitees für die Wiederwahl des Präsidenten" gewesen ist.

Trotz guter Umfragewerte wird der politische Gegner ausspioniert

Der amtierende Präsident ist Richard Nixon, der sich 1972 um seine Wiederwahl eigentlich keine Sorgen machen muss, denn alle Umfragen sehen ihn mit einem uneinholbaren Vorsprung auf den demokratischen Kandidaten George McGovern. Das Ausspionieren der politischen Absichten seines Kontrahenten ergibt also eigentlich keinen Sinn.

"Richard Nixon war im Grunde besessen von dem Gedanken sich an seinen Feinden zu rächen. Das kontrastiert in ganz starkem Maße mit der ihm ansonsten durchaus eigenen analytischen Intelligenz und politischen Erfahrung."
Manfred Berg, Historiker und Professor am Heidelberg Center for American Studies

Aber es ist nicht nur ein Einbruch im Büro der Demokraten, sondern der Anfang einer Staats- und Verfassungskrise, weil sich in den kommenden Monaten immer mehr herausstellt, dass das Weiße Haus und der Präsident in den Vorfall verstrickt sind. Richard Nixon spricht von einem "drittklassigen" Einbruch und weist jede Schuld von sich. Nach der Präsidentschaftswahl im November 1972, die Nixon mit einem historisch guten Ergebnis gewinnt, gehen die Ermittlungen aber weiter.

Durch einen anonymen Hinweisgeber aus dem Weißen Haus fördern sie schließlich zutage, dass der Präsident in die Vertuschung des Einbruchs verwickelt gewesen ist und dass der Auftrag dazu aus einem unmittelbaren Umfeld gekommen ist.

Rücktritt damit es nicht zur Amtsenthebung kommt

Tonbandmitschnitte aus dem Oval Office sorgen schließlich dafür, dass Nixon am 8. August 1974 freiwillig aus dem Amt scheidet. Nachfolger wird Gerald Ford, dessen erste Amtshandlung ebenfalls ein Skandal ist: Er amnestiert Nixon und sorgt so dafür, dass dessen strafrechtlich relevanten Verfehlungen nicht geahndet werden.

"Was wir unter dem Begriff Watergate zusammenfassen, das ist im Grunde ein Komplex ganz unterschiedlicher Geschehnisse."
Manfred Berg, Historiker und Professor am Heidelberg Center for American Studies

Der Watergate-Skandal ist der erste dieser Größenordnung gewesen, aber nicht der letzte: Ronald Reagans Iran-Contra-Affäre, Bill Clintons Affäre mit Monica Lewinski, das Lügenkonstrukt, mit dem George W. Bush gegen den Irak wegen angeblicher Massenvernichtungswaffen in den Krieg zog und schließlich Donald Trump, über den gesagt wird, es sei während seiner Präsidentschaft kein Tag ohne Lügen vergangen.

Bürger verlieren Vertrauen in politische Ordnung

Diese Skandale haben dafür gesorgt, dem Ansehen der Demokratie zu schaden und das Vertrauen in staatliche Institutionen zu zerstören. Für manch einen ist das der Grund, sich rechten populistischen Parteien zuzuwenden.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Historiker und Amerika-Experte Manfred Berg schildert Richard Nixon als Politiker, der unter allen Umständen seine Macht erhalten wollte.
  • Für den Politikwissenschaftler und Amerikanist Bernd Greiner ist der Watergate-Skandal der politische Sündenfall mit langfristigen Folgen für die Politik
  • Der Journalist Hans Leyendecker, der selbst einige Skandale in Deutschland aufdeckte, geht der Frage nach, warum es in der Politik nicht immer richtig sein muss, einen Fehler einzugestehen
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld schildert die beiden Kontrahenten des Wahlkampfs 1972: Richard Nixon und George McGovern
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Felix Schledde erinnert an den Einbruch in das Hauptquartier der Demokraten im Watergate - Gebäudekomplex in Washington am 17. Juni 1972