Esst eure Schokoladenhäschen, solange ihr noch könnt. Denn Schokolade könnte teurer werden - und noch eine Menge anderer Dinge, in denen Zucker steckt. Das Analyseinstitut Green Pool warnt davor, dass eine Zuckerknappheit bevorsteht. Das Angebot kann mit der Nachfrage nicht mehr mithalten. Und schuld ist El Niño, sagt Wirtschaftsredakteurin Sandra Pfister.

Das Wetterphänomen bringt etwa alle vier Jahre rund zwei Drittel der Welt durcheinander: Nur Europa bleibt in der Regel verschont. In anderen Regionen wird es entweder zu feucht oder viel zu trocken, zum Beispiel in Indien, Thailand oder China. Weil jetzt nahezu alle Staaten betroffen sind, in denen Zuckerrohr angebaut wird, wird Zucker knapp - und das macht ihn teuer: seit Februar schon um 20 Prozent. Und es wird noch ein deutlicherer Mangel vorhergesagt.

"Zuckerrohr ist ein ganz kapriziöses Pflänzchen."
Sandra Pfister, Wirtschaftsredakteurin

Der größte Zuckerproduzent ist Brasilien. Dort wird es eher feuchter durch El Niño. Und das ist für Zuckerrohr auch nicht gut. Es benötigt große Hitze und viel Regen - aber auf keinen Fall während der Erntesaison. Der zweitgrößte Zuckerproduzent ist Indien. In diesem Jahr bleibt der Monsun wegen El Niño praktisch aus. Das Land ist sehr trocken. In den Hauptanbaugebieten im Norden des Landes, in Uttar Pradesh, gibt es gravierende Ernteausfälle. In Thailand und China sieht es aber auch nicht viel besser aus. Und auch in Australien gibt es weniger Zuckerrohr wegen Trockenheit. Das Problem: Wenn die Zuckerrohrpflanzen erst mal krank und schwach sind, dann dürfte die Zuckerernte auch im nächsten Jahr bescheiden ausfallen.

Import statt Export in Europa

In Europa wird Zucker aus Rüben gewonnen. Aber so schnell können die Zuckerhersteller die Lücke gar nicht schließen. Denn die EU hat sich von einem Exporteur von Zucker in einen Importeur verwandelt. Das liegt an der neuen Zuckermarktverordnung, die nächstes Jahr in Kraft tritt: Ab dann garantiert die EU keinen Mindestpreis mehr für die Zuckerrübe, und sie hält den EU-Zuckerrübenbauern nicht mehr durch Zollschranken und Importverbote die ausländische Konkurrenz vom Leib. Die Folge: In der EU weniger Zucker produziert.

Süßigkeiten dürften teurer werden

Der meiste Zucker steckt in verarbeiteten Lebensmitteln: in Backfabriken und Großmolkereien, aber auch in Medikamentenfirmen. Auch Waschmittelfirmen sind große Abnehmer - die füttern mit Zucker ihre Bakterienkulturen. Dass der Preis für Waschmittel deutlich steigt, ist aber kaum zu erwarten. Anders sieht die Sache bei Süßigkeiten aus. Wenn der Osterhase dieses Jahr im Schnitt zehn Cent teurer war als sonst, liegt das allerdings eher am Kakao, der sich verteuert hat, weil die Nachfrage so sehr steigt und weil es auch beim Kakao auch deutliche Ernteausfälle gibt. Und auch hier ist der Hauptschuldige El Niño.