Kostüme waren seine erste Leidenschaft, bevor Sebastian Ellrich Mode designt hat. Der 32-jährige ist erfolgreich und dennoch bodenständig geblieben.

Mit 14 Jahren hat Sebastian Ellrich angefangen, Kostüme zu schneidern. Das Nähen hat er von seiner Mutter und Großmutter gelernt. Damals hat er gekaufte Kleidungsstücke gepimpt, indem er sie bemalt hat oder unterschiedliche Stoffe und Materialien appliziert hat. "Ich hatte auch kein Problem, einen alten Fuchs auf Lederjacken zu nähen. Die Hälfte der Klasse sprach noch mit mir und die andere fand es widerlich", erzählt Sebastian von seinen ersten Kreationen. Nach der Schule hat er an verschiedenen Theatern als Kostümassistent gearbeitet und ist seit 2006 Kostüm- und Bühnenbildner.

Klares Modekonzept

Mit 27 Jahren hat er sein Label "Sebastian Ellrich" gegründet und war 2011 zum ersten Mal bei der Berliner Fashion Week dabei. In diesem Jahr hat Sebastian seine neue Kollektion schon vor Beginn der Fashion Week, quasi außerhalb des Rummels, gezeigt. Ihm sei dabei wichtig, zu seiner Show dann auch genau die Menschen einladen zu können, die sich für seine Mode interessieren wie zum Beispiel befreundete Künstler.

"Kein niedliches Rosa"

Seine aktuelle Kollektion zeigt reine Seide, viel Leder, die Kleidungsstücke sind in Schwarz, Grau, Silber und Rosa gehalten. "Kein niedliches Rosa, sondern so, dass man es auch anziehen kann", sagt Sebastian. Die Formen sind eher klassisch, grafische Auseinandersetzungen mit traditionellen Looks, die durch die Schnitte dekonstruiert werden, erklärt Sebastian, aber dennoch eng am Körper bleiben.

"Mittlerweile geht es mehr um Material, Qualität und Form, dass das Kleidungsstück eine klassische grafische Linie hat, die mich definiert."
Sebastian Ellrich, Modedesigner und Kostüm- und Bühnenbildner

Sebastian entwirft Prêt-à-porter Mode und keine Haute Couture, eben tragbare Mode. Selbst trägt Sebastian gern klassische Kleidungsstücke wie Rollkragenpulli aus Kaschmir - vom Stil her "zwischen sichtbar werden und entspannt bleiben", wie er es beschreibt. Für offizielle Anlässe trägt Sebastian dann seine eigene Mode: "Weil meine Sprache ja Bekleidung ist, muss ich das auch zeigen, was das sein kann."

Am liebsten entwirft Sebastian direkt für den einzelnen Kunden und bespricht mit ihm, welche Materialien beispielsweise verwendet werden sollen. Er möchte für Menschen arbeiten und ihnen genau die Kleidung entwerfen, die sie brauchen und wollen. Besonders wichtig ist ihm dabei, dass es sich beim Schneidern von Kleidern um ein Handwerk handelt, die Fähigkeit aus einer zweidimensionalen Vorlage, ein dreidimensionales Kleidungsstück zu fertigen. Weil in den Großbetrieben Näherinnen nur noch Teile und nicht das ganze Stück fertigten, ginge diese Fähigkeit immer mehr verloren.

Sebastian zeichnet jedes Modell noch selbst von Hand. Die Entwürfe gibt er dann einem Schnittmacher, der daraus die Schnitte fertigt für die ersten Muster, die dann noch weiter bearbeitet werden bis sie laufstegreif sind.

Nicht nur Fashion

Wenn Sebastian keine Mode entwirft, arbeitet er fürs Kindertheater, den Tanz oder das Schauspiel. Das Spannende für ihn sei, dass er in all diesen Bereichen arbeiten könne und nicht auf die Mode festgelegt sei. Gerade wenn ihm die Inspiration für eine neue Kollektion fehle, kann er einfach in einem der anderen Bereich kreativ sein.