Pandemien gab es immer wieder in der Geschichte Europas. Sie waren teilweise sehr tödlich und dauerten sehr lange. Eine von ihnen könnte sogar für den Rückgang der oströmischen Herrschaft verantwortlich gewesen sein.

Es sind viele tausend Leichen, die sich auf den Straßen Roms, in den Häusern, auf Feldern rund um die Stadt türmen. Der Geschichtsschreiber Cassio, der um 200 gelebt hat, beschreibt in drastischen Worten, wie die Stadt durch 2.000 Tote jeden Tag in Mitleidenschaft gezogen wird.

Die Antoninische Pest breitet sich seit dem Jahr 165 im Gebiet des Römischen Reiches aus und wütet 24 Jahre lang. Die Folge ist eine großflächige Entvölkerung des Römischen Reichs: Mehr als sieben Millionen Menschen, fünf Prozent der Bevölkerung, fallen der Krankheit zum Opfer.

Diese Pest schwächt das Römische Reich, die Abwehr der im Norden einströmenden germanischen Markomannen misslingt, weil die Krankheit besonders unter den Soldaten viele Opfer gefordert hat.

Justinianische Pest dauerte 200 Jahre

Etwa 530 bricht wieder eine Pandemie aus, die Justinianische Pest, die Europa und weite Teile des oströmischen Reichs rund 200 Jahre lang im Griff hat. In 15 Wellen sterben mehr als 30 Prozent der Bevölkerung des Oströmischen Reichs. Als die Pest Mitte des achten Jahrhunderts vorbei ist, herrschen Nahrungsmittelknappheit und ein Mangel an Soldaten, die die Grenzen des Oströmischen Reichs sichern könnten.

Auch wenn es keine Einigkeit unter den Historikern gibt, spricht Einiges dafür, dass der Rückgang der oströmischen Herrschaft auf Konstantinopel, Kleinasien, die Randgebiete des Balkans und einige Inseln im Mittelmeer mit den Folgen der Pest zu erklären ist.

Manche vermuten sogar einen Zusammenhang zwischen der Justinianischen Pest und dem Erstarken des Islam, der sich zwischen 653 und 750 von Spanien im Westen über die Maghreb-Staaten, Ägypten, die arabische Halbinsel, die Levante, Syrien, Armenien und Persien ausbreitet.

Ihr hört in "Eine Stunde History":

  • Ernst Peter Fischer beschäftigt sich mit Wissenschaftsgeschichte und beschreibt, wie die zur Zeit des oströmischen Kaisers Justinians beginnende Pest zum allmählichen Ende der Antike führte.
  • Medizinhistoriker Karl-Heinz Leven schildert die Konsequenzen der mittelalterlichen Pest für die Entwicklung des europäischen Kontinents.
  • Der Bochumer Historiker Christian Bunnenberg hat ein Corona-Archiv eingerichtet, in dem Berichte und Dokumente über den Umgang mit der Corona-Pandemie gesammelt werden.
  • Der Zukunftsforscher Matthias Horx den schon jetzt über über die Folgen der aktuellen Pandemie nach.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld. Er beschreibt, wie Epidemien und Pandemien in vergangenen Jahrhunderten das Leben in Europa beeinflusst haben.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Krinner erzählt, wie die Nachrichten der tödlichen Pest am Hofe Kaiser Justinians in Konstantinopel im Jahr 530 aufgenommen wurden.

Das Bild zeigt eine Szene in Marseille aus dem Jahr 1720 während einer erneuten Pest-Pandemie in Europa.