Als im Juni 2016 die Entscheidung über den Brexit fällt, fühlt sich die Journalistin Kate Connolly wütend und ohnmächtig. Doch dann kommt ihr eine Idee, die sie schließlich in die Tat umsetzt. 

Eigentlich war es der Slogan der Leave-Kampagne vor der Brexit-Abstimmung: take back Control. Emotional aufgeladen, mit dem Versprechen, wieder die Kontrolle zurückzugewinnen – über was auch immer. Kate Connolly wollte nicht, dass die Briten für den Austritt stimmen. Den Slogan hat sie sich nach der Abstimmung aber zu eigen gemacht und versucht, etwas gegen dieses ohnmächtige Gefühl zu setzen - indem sie die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt hat.

"Briten und Deutsche leben in parallelen Universen."
Kate Conolly, Journalistin und Buchautorin

Kate Connolly arbeitete damals schon als Deutschland-Korrespondentin für die britische Zeitung Guardian in Berlin. Nach dem Fall der Mauer hatte es sie nach Deutschland gezogen. Sie sprach damals schon die Sprache und hatte das Gefühl, vermitteln zu können. Und dieses Gefühl ist bis heute geblieben: "Ich kann den Deutschen Großbritannien erklären", sagt sie. "Und ich kann den Briten erklären, dass die Deutschen nicht so ticken, wie sie denken.

"Die Briten sind zu höflich, um ehrlich zu sein. Und die Deutschen sind zu ehrlich, um höflich zu sein."
Kate Conolly, Journalistin und Buchautorin

Seit Mai 2017 ist Kate Conolly nun offiziell Deutsche. Von ihrem Weg erzählt sie in ihrem Buch: Exit Brexit. Ihren britischen Pass durfte sie behalten. "Ich kann nicht sagen, ob ich das auch gemacht hätte, wenn ich meinen britischen Pass hätte abgeben müssen." Auch deshalb ist sie immer wieder Kritik ausgesetzt – von Deutschen und Briten gleichermaßen. 

Die Briten werfen ihr vor, die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen zu haben - Kate Connolly sagt dazu selbstkritisch: "Vielleicht ist es ein bisschen Verrat an den Briten." Und die Deutschen finden nicht gut, dass sie weiterhin auch einen britischen Pass besitzt. 

"Ich mag dieses Land – und dieses Land mag mich."
Kate Conolly, Journalistin und Buchautorin, über Deutschland

Kate Connolly arbeitet seit 1996 als Journalistin und hat die längste Zeit ihrer Karriere im Ausland verbracht. Heute ist sie die Berlin-Korrespondentin für den Guardian und den Observer. In Eine Stunde Talk erzählt sie, wo sie ihr Stück Berliner Mauer aufbewahrt, warum sie Tee aus deutschen Apotheken liebt und wovon sie auf Deutsch träumt.