Die Deutsche Bahn will Ende 2016 ihre Nachtzüge ausrangieren. Dann ist Schluss mit Schlaf-, Liege- und Sitzwagen und morgens entspannt ankommen. Eine Petition will die Züge zurück.

Joachim Holstein hat eine Petition gegen die Abschaffung von Nachtzügen initiiert, weil er überzeugter Nachtzugfahrer ist. Er ist jahrelang von Hamburg nach Paris gefahren mit dem Nachtzug. Er sagt: "Das war einfach eine Strecke mit sehr viel internationalem Publikum. Und man erlebte da alles von US-amerikanischen Musikern bis zu koreanischen Opernsängerinnen. Bei der Fußball-WM 2006 hatten wir über Wochen hinweg eine 1200 Kilometer lange Fanmeile. Von den Zeiten schwärme ich heute noch!"

Die Vorteile der Nachtzüge für Bahnfahrer

  • sie können ohne Umsteigen lange Strecken zurücklegen
  • sie kommen morgens ausgeschlafen an
  • und haben eine Nacht Hotelkosten weniger

Mit der Petition werfen die Kritiker der Bahn vor, ihre eigenen Klimaschutzziele zu verraten. Wenn sie die Nachtzüge abschafft, würden die Reisenden verstärkt aufs Flugzeug umsteigen, und es gebe mehr Verkehr auf der Straße.

Die Bahn argumentiert, ihre Nachtzüge seien ein Nischenprodukt, das nur ein Prozent der Reisenden überhaupt nutzen. Zudem hat die Bahn 2015 mit ihren Nachtzügen ein Minus von 31 Millionen Euro gemacht. Hinzu kommt: Die meisten Züge sind mehr als 40 Jahre alt und müssten dringend erneuert werden. Allerdings fehlen genau dafür die Mittel.

Nachtzüge bringen Touristen ins Land

Joachim Holstein hat ein bisschen anders gerechnet: Er sagt, der Durchschnittsfernreisende fährt 280 Kilometer mit der Bahn. Wer im Nachtzug reist, legt eher 700 bis 800 Kilometer zurück. Darum würden die Nachtzüge auch eher drei bis vier Prozent des Fernverkehrsaufkommens ausmachen und nicht nur ein Prozent.

Als Ersatz für die Nachtzüge will die Bahn ihren Kunden Nachtbusse anbieten, außerdem verhandelt sie mit der Österreichischen Bundesbahn, ob die einzelne Nachtzugstrecken übernehmen könne.

Für Joachim Holstein ist das keine richtige Alternative. Er will, dass die Nachtzüge bleiben und hofft auf Unterstützung aus Süddeutschland: "Aus Sicht der bayerischen Staatsregierung sind Nachtzüge unverzichtbar. Die bringen nämlich einen großen Teil der Touristen ins Land."

Vor einigen Jahren hat die Deutsche Bahn beschlossen, die Speisewagen abzuschaffen. Dann gab es so lautstarke Proteste, dass die DB einen Rückzieher gemacht und die Speisewagen beibehalten hat.